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"Der Dialog ist der Weg zum Frieden"

Vertreter aller Weltreligionen diskutieren in Rom über Frieden in Nahost

Von Corinna Mühlstedt

Auf Einladung der römischen Gemeinschaft Sant Egidio sind rund 400 führende Vertreter der Weltreligionen zum Friedensgebet nach Rom gereist. Die Begegnung steht in der Nachfolge des Weltfriedensgebets von Assisi, das Papst Johannes Paul. II 1986 ins Leben rief.

"Eine Kette des Einsatzes für den Frieden möge alle Männer und Frauen guten Willens verbinden! Diese ernste Einladung richte ich an die katholische Kirche in der ganzen Welt, und ich weite sie aus auf alle Christen anderer Konfessionen, auf die Männer und Frauen der verschiedenen Religionen und auf jene Brüder und Schwestern, die nicht glauben."

Mit diesen Worten rief Papst Franziskus die Welt Anfang September zum Gebet für Syrien auf. An diesem Montag erneuerte er seinen Appell in einer Privataudienz für die Gäste aus allen Weltreligionen, die zum Friedensgebet von Sant Egidio nach Rom gereist waren, und betonte:

"Es gibt keine religiöse Rechtfertigung für die Anwendung von Gewalt, gleich in welcher Form. Der Dialog ist der Weg zum Frieden. Wir religiös Verantwortlichen sind dazu berufen, Frieden aufzubauen - durch den Dialog und das Gebet. Beides gehört zusammen. Denn der Dialog hat seine Wurzeln jenseits unserer eigenen Kraft."

Seit 1986 trägt die römische Gemeinschaft Sant Egidio den Geist des Friedensgebets von Assisi alljährlich in eine andere Stadt Europas. Die Begegnung in Rom sollte dieses Jahr in besonderer Weise einen Beitrag zum Frieden im Mittleren Osten leisten. Zur Eröffnung des Symposions mahnte der Gründer von Sant Egidio, der Historiker Andrea Riccardi:

"Lasst uns besonders der Entführten gedenken, die diesmal nicht bei uns sind, weil sie Opfer der blutigen Gewalt in Syrien wurden. Unter ihnen sind Freunde, die seit Jahren an unseren Friedensgebeten teilnahmen. So etwa die Bischöfe von Aleppo Paul Yazigi und Mar Gregorius Ibrahim. Sie waren stets überzeugt, dass man aus einem Konflikt wie diesem den Ausweg nie durch Waffen findet, sondern nur durch Verhandlungen."

Der Bruder des entführten Bischofs Yazigi, der syrisch-orthodoxe Patriarch Youhanna X, war anlässlich des Symposions aus Damaskus nach Rom gekommen. Er sei überaus dankbar für diese Initiative, die den Menschen in Syrien Hoffnung gebe, so der Patriarch.

"Unsere Leute in Aleppo beten unentwegt für die Entführten und haben noch Hoffnung, dass sie leben und zurückkehren. In dem Kloster Mar Tekla in der christlichen Siedlung Maoulula nördlich von Damaskus leben noch 40 Ordensfrauen, die Weisenkinder betreuen. Der ganze Ort ist verwüstet, aber sie haben sich entschlossen zu bleiben und den Ärmsten zu dienen. Diesen Mut, mit dem Einsatz des eigenen Lebens friedlich zu kämpfen und nicht mit Waffen, kann nur der Glaube verleihen. Es ist dieser Mut, den Syrien braucht."

In diesem Punkt berührten sich die Religionen, bekräftigte der Mufti von Ägypten Abdel-Karim Alam. Denn es sei auch die Aufgabe des Islams, den Menschen Kraft zu geben, sich für das Gute einzusetzen. Das lehre der Koran.

"Wir wünschen, dass der Islam nicht nur in Ägypten zu einem Orientierungspunkt wird, der Menschen aller Glaubensrichtungen moralische Werte vermittelt. Die Religionen dürfen niemanden unterdrücken. Christen und Muslime sollten geschwisterlich zusammenleben."

Für diese Ideale, so der Mufti, setzten sich in Ägypten viele moderate islamische Kräfte ein. Der Terror habe nichts mit dem Islam zu tun und sei in jeder Hinsicht zu verurteilen. Andrea Riccardi kommentiert:

"Der globale Terrorismus ist schrecklich, und er ist blind. Aber wir müssen ihm ohne Angst ins Auge sehen und versuchen, die Menschen zum Frieden zu erziehen. Der Terrorist versucht sich mit der Religion zu legitimieren, doch er hat kein Recht dies zu tun. Unser Treffen hier in Rom, bei dem sich Menschen aller Religionen gemeinsam für den Frieden einsetzen, ist auch eine Antwort auf den Terrorismus. Denn es entlarvt seine Ideologie als a-religiös."

Das Gebet aller Religionsgemeinschaften, das am Ende des Treffens stehe, so Riccardi, sei auch in diesem Sinne ein wichtiges Signal. Der israelischen Rabbiner David Rosen stimmt zu:

"Die Religionen lassen sich nur all zu leicht missbrauchen. Der Talmud sagt: Je nachdem, wie du eine Religion nutzt, ist sie eine Quelle des Lebens oder des Todes. Wir haben deshalb alle die Verpflichtung, der Welt zu zeigen, welcher Segen von den Religionen ausgehen kann, sobald sie sich des Göttlichen bewusst werden, das in ihnen wirkt. Keine Religion hat allein Anspruch darauf, dieses Göttliche zu besitzen. Diese Friedensgebete beweisen, wie man die Unterschiede zwischen den Religionen achten und gleichzeitig zu einem tiefen gemeinsamen Zeugnis kommen kann."

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