Sind Muslime wirklich nur intolerant?

Leserbrief zum Kommentar mit Foto Wie tolerant sind Muslime?

Christ in der Gegenwart (CIG Nr.11,2013, Titelseite)

 

Bedauerlicherweise bedient sich der ansonsten so ausgewogene CIG wieder einmal des Feindbilds Islam, um die Islamvorstellungen und -ängste der breiten Masse in Kirche und Gesellschaft zu bedienen. Ihre Redaktion hat Recht, wenn Sie sich auf der rechten, unteren Seitenhälfte Ihrer Ausgabe Nr. 11 – links davon steht Ihr Kommentar zu Franziskus I.- zum Sprachrohr der Angst vieler Christen machen, die in islamischen Ländern leben (müssen). Ihr Foto (pa) dokumentiert Angst und Wut der Christen in Pakistan. Allerdings machen Sie sich nicht zum Sprachrohr der Hoffnung der zahlreichen Christen in islamischen Ländern, die nicht auf ihre Regierungen, aber auf ihren gerechten und barmherzigen Gott und nicht weniger auf ihre dynamischen Zivilgesellschaften ihre ganze Hoffnung setzen. Beeindruckend hat die Zivilgemeinschaft im Arabischen Frühling (sic!) widersetzt, getragen vom gemeinsamen Widerstand von Muslimen und Kopten.

Ihr augenfälliger Kommentar gibt den Christen/innen eine Stimme, die als Minderheit unter Angst und Zittern um ihr Überleben bangen – so wie auch viele Muslime darum bangen. Aber Sie geben keine Stimme den zahlreichen Christen, die seit Generationen friedlich Seite an Seite mit ihren muslimischen Nachbarn leben und die, wenn nötig, gemeinsam und öffentlich für Recht und Gerechtigkeit, u.a. für religiöse Minderheiten eintreten. So tolerant sind Muslime! Aus Bangladesch, Ägypten oder Java, auch aus Teilen Afrikas könnte ich Seiten füllende Belege für eine derartige Toleranz und für christlich-muslimische Solidarität geben.

Sie geben auch denjenigen Muslimen keine Stimme, die Seite an Seite mit ihren christlichen Freunden und Mitbürgern/innen ihr Leben nicht nur wagen, sondern es auch dafür hingeben und dafür hingegeben haben. Der Gouverneur der Provinz Punjab in Pakistan, Salman Taseer, hat beispielsweise in seinem Kampf gegen das teuflische Blasphemiegesetz sein Leben verloren; später ereilte den katholischen Minister für religiöse Angelegenheiten, Shahbaz Batti, dasselbe Schicksal. Nun aber Indonesien, Syrien, Ägypten, Irak, Nigeria und Pakistan in einen Topf der Beispielkette der Erfahrung der Intoleranz „der“ Muslime zu werfen, ist schon bedenklich. Weshalb haben Sie noch nie eine Liste von Ländern Lateinamerikas aufgereiht, in denen Christen in Angst und Zittern leben, weil willkürliche Morde in Slums, in denen sich Banden täglich bis auf Blut bekämpfen und unbeachtet von der der Weltöffentlichkeit Kinder als Störenfriede von den Ordnungshütern erschossen werden und Morde am helllichten Tag nicht nur im Ausnahmefall geschehen? Sind wirklich nur Muslime intolerant und unbarmherzig gewalttätig gegenüber politisch Schwachen und Benachteiligten?

 

Klaus Beurle, Würzburg