Leserbriefe 2019

Papst Franziskus schlingernd?

Ob man Papst Franziskus für "schlingernd, unpräzis, schwammig" hält (vgl. CIG Nr. 36), ist eine strittige Feststellung. Ich bin froh, dass Papst Franziskus - im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern - theologisch und pastoral vieles offen lässt und oft eben keine präzisen Entscheidungen trifft. Was er zu sozial-politischen Fragen sagt - wie jetzt bei seiner 53. Auslandsreise, diesmal nach Ostafrika -, ist allerdings äußerst klar, eindeutig und für die Machthabenden eine Herausforderung. Der Papst ist an den Rändern der Welt präsent und dort redet er Klartext zu den Fragen, die die Menschen bewegen und besorgen. Es ist gewiss zu hoffen, dass Papst Franziskus bei der bevorstehenden Amazonas-Synode Entscheidungen billigen wird, die für die Zukunft der Kirche bedeutsam sind und die von kirchlichen Rechtskräften nicht boykottiert werden.

Dr. Klaus Beurle, Würzburg

Paul Schobel – ein Prophet? (KS 33)

Ja, für mich ist der einstige Rottenburger Betriebsseelsorger Paul Schobel ein Prophet. Denn er tat und tut, was Propheten im Ersten Bund getan haben und was Jesus im Neuen Bund tat: Er deckt Ungerechtigkeiten und Unmenschlichkeiten im System unserer Gesellschaft auf und sieht klar, was in Zukunft auf uns zukommen wird. Jesus hat Heuchelei und Unterdrückung angeprangert und das Reich Gottes, eine neue Welt also, verkündigt. Darum geht es auch Paul Schobel.

Wir sollten viele Paul Schobel haben, damit die Welt, wie sie ist, und Gott, wie er sich die Welt vorstellt, zur Sprache kommen. Dass Schobel wegen seiner ätzenden Kapitalismuskritik als Linker bezeichnet wird, haben vor ihm schon Dom Helder Camara, Oscar Romero und andere erfahren und Papst Franziskus erfährt es heutzutage. Es ist sehr beunruhigend, was Paul Schobel über die „gespaltene Arbeitswelt“, über unsere „durch Digitalkonzerne manipulierte und erpressbare Gesellschaft“, über den „Arbeitswettbewerb, an der Menschen kaputt gehen“, schreibt. Da reicht es nicht, in unseren Gottesdiensten und Gebeten uns auf die Sorge um unseren Seelenfrieden und um den Weg in den Himmel zu bemühen. „Näher ran an die Menschen“, rät Paul Schobel, hin zu „Fernfahrer, S 21 Bauarbeitern“ und zu anderen, die unter ihrer Arbeitslast, unter Sinnlosigkeit oder unter Arbeitslosigkeit stöhnen. Wenn sich nicht die Kirche, die den Anbruch des Reiches Gottes verkündigt, unentwegt und unverdrossen um einen Gegenentwurf zur „Wegwerf- und Vernichtungsgesellschaft“ müht, wer denn dann sonst?

Klaus Beurle, Würzburg