Gebete der Religionen in Würzburg für Versöhnung und Frieden… in Bosnien, Europa, der Welt und in Würzburg

 

Donnerstag, den 3. Juli 2014 um 18 Uhr, Zellerauer Vogel Convention Centre

Klaus Beurle: Impressionen einer Reise – Religionen in Bosnien-Herzegowina

 

Damen und Herrn, liebe Freunde aus Religionen verschiedener Traditionen, liebe Jugendliche,

 

heute Vormittag hat der deutsche Bundestag an den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren erinnert. Parlamentspräsident Lammert sagte in seiner Ansprache, noch immer stelle sich die Frage, wie es zu dieser Katastrophe habe kommen können - eine Frage, die wir uns während unserer interreligiösen Bosnienreise im April dieses Jahres immer wieder gestellt haben. „Erst sehr viel später hat man - so Lammert heute Morgen in Berlin - gelernt, dass militärische Maßnahmen grundsätzlich kein geeignetes Mittel politisch gewollter Veränderungen sind. Inzwischen lebt Deutschland seit Jahrzehnten in Frieden, wir sind die Glücklichen. Daraus erwächst die Verantwortung, Leid in Zukunft zu vermeiden.“

Zugleich wurde heute im deutschen Bundestag über die Einstufung Serbiens, Mazedoniens und Bosnien-Herzegowinas als heutzutage sichere Herkunftsländer entschieden. Wie wenig sicher das Leben aber bis heute in einigen Regionen Bosnien-Herzegowinas ist, haben wir von Einheimischen, von Kriegs-Zeitzeugen, etwa in der Region Olovo, mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört. Der deutsche Bundestag täuscht sich in der undifferenzierten Einschätzung der heutigen Situation der Menschen in Bosnien-Herzegowina.

Die Ermordung des Habsburger Thronfolgers vor 100 Jahren in Sarajevo hat nicht allein den Ersten Weltkrieg ausgelöst, sondern auch die religionssoziale Ordnung und interreligiöse Harmonie Bosniens zerstört. Von einer religiös motivierten Aggression einer ethnischen Volksgemeinschaft ist das Unheil ausgegangen, worunter das liebenswürdige Volk der Bosnier bis heute leidet. Wir haben gehört und gesehen, welches Unheil Religionen durch ihre Parteinahme anstiften können. Während die Rolle der christlichen Volksgemeinschaften in Bosnien stark national bestimmt ist, hat uns der bosnische Islam durch seine Offenheit, Dialogbereitschaft und vor allem durch seine staatliche Unabhängigkeit stark beeindruckt.

Kein Land kenne ich – von Bangladesch und Teilen Indonesiens abgesehen -, in dem Menschen verschiedener Religionen derart nachbarschaftlich friedlich zusammenleben und im Alltag vertrauensvoll zusammenarbeiten wie in Bosnien. Doch wenn religiös motivierte Machtkämpfe ausbrechen, wird das Beste, was ein Volk hat, aufgefressen und zerstört.

Beten wir also gemeinsam in verschiedener Weise für uns selbst und für unsere bosnische Freunde: dass wir nicht vergessen, was geschehen ist und dass das bosnische Volk eine Staatsform und Regierung bekomme, die es längst verdient hat, damit die Angehörigen der Religionen wieder so zusammenleben können, wie sie es gewohnt waren.

Allah, In´ shalla - Jahwe Adonai - Dreieiner Gott in Jesus segne uns, führe uns zusammen: Du bist eins in Dir und eins für uns.