Wie neu ist unser Glaube? Die Rede vom Neuen

Offenbarung 21 – und Johannes 13 – 5. Sonntag nach Ostern

1. Das Neue - Viermal in den Schrifttexte der Liturgie das Wort NEU: der neue Himmel, die neue Erde... Ich mache alles neu und dann im Evangelium: Ein neues Gebot gebe ich euch...
Alles neu macht der Mai.
Das Volkslied erinnert uns daran, dass nach dem dunklen, kalten Winter, in dem die Natur wie abgestorben erscheint, plötzlich wieder neues Leben zu sprossen und dann zu erblühen beginnt. Dies hilft uns, uns das Neue, von dem die Schrift spricht, ein wenig vorzustellen. Aber das Neue des Evangeliums ist nochmals etwas ganz anderes.


2. Was gibt es Neues? fragen wir manchmal, wenn wir einen Bekannten treffen. In den Nachrichten wollen wir hören, Was gibt es Neues? Alles Neue in unserem Alltagsleben, vor allem in den Kaufgeschäften, ist interessant, fasziniert, macht neugierig - ist aber nicht immer besser als das Alte.
Jesu Neu-sein ist ein völlig anderes Neu-Angebot, eine ganz neue Zusage, ein anderes Angebot. Das Buch der Offenbarung beschreibt das, worauf uns Jesus hinführen will und was er uns anbietet: Es wird eine neue Erde geben, Himmel genannt, auf der er alle Tränen von unseren Augen wischen wird, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal und... kein Tod mehr.  Was früher war, ist vergangen.
3. Neuer Himmel, neue Erde… (Offb 21) Ist das ein Traum, eine Illusion oder ist es die bare Wirklichkeit und Wahrheit? Fragen wir uns: Worauf leben wir hin? Haben wir eine Lebensperspektive? Oder wollen wir gar nicht mehr als täglich eben essen, arbeiten, uns vergnügen, schlafen und dann morgens wieder von vorn dasselbe? Was erwarten wir von der wahren Wirklichkeit, vom Ende der Welt? Von unserer Einstellung der Zukunft gegenüber hängt unsere Gegenwart ganz stark ab - hängt ab, was wir tun und wollen, was wir lassen und was wir nicht zulassen. Um welche Konkurrenz, um welchen Wettlauf geht es für uns gläubige Christen?
4. Christus ist der Grund unserer Hoffnung, er ist unserer Zukunftsgewissheit - das ist das Kernstück unseres Glaubens... Er ist unsere Lebensperspektive. Warum? Weil er alles auf den Kopf gestellt hat und alles neu machen wird. Ich mache alles neu... Aus dieser Zusage wächst Glaubenskraft. Warum sind wir in den reichen Ländern oft so glaubensmüde? Doch wohl, weil die Mehrheit ziellos in den Tag hineinlebt und kein Lebensziel hat - Gesundheit, Erfolg und Wohlergehen sind große Hoffnungen und Ziele... aber das reicht nicht. Was Gleichgültigkeit und Glaubensmüdigkeit betrifft - da sieht es bei vielen Menschen in armen oder bedrohten Ländern ganz anders aus - in Sri Lanka, Syrien, Sudan, Pakistan.... Die Menschen leben und überleben, weil sie glauben, dass Gott ihnen eine neue Zukunft, eine neue Erde, einen neuen Himmel schenken.
5. Bischof Scheele, der 22 Jahre Bischof unserer Diözese war und den wir gestern beigesetzt haben, hat auf seinem Sterbebildchen abdrucken lassen, was er von der neuen Erde erwartete: Wir im Tod schauen, was wir geglaubt haben. Er beschreibt, was er jetzt schauen darf als unbegrenzte Liebe, unzerstörbare Gemeinschaft, jubelnde Zustimmung, dauernden Frieden, unbändige Freude. Bischof Scheele war ein lebensfroher, tatkräftiger Bischof mit viel Humor (als Borussia Dortmund Fan durfte der Borussen Schal an seinem Sarg nicht fehlen). Seine Glaubenskraft hat er aus einer tiefen unerschütterlichen Hoffnung geschöpft... eine neue Erde, ein neuer Himmel war seine Lebenshoffnung…
6. Schließlich das Wort vom Neuen im Evangelium (Joh 13) - das Wort Jesu beim Abschied von seinen Jüngern: Ein neues Gebot gebe ich euch - Liebet einander wie ich euch geliebt habe. Nochmals ein revolutionäres Wort von Neu-sein. Wie ist es möglich, dass wir lieben, wie Jesus uns geliebt hat? Jesus wollte dienen, nicht bedient werden, hat seinen Jüngern die Füße gewaschen, ist auf Sünder und Ausgestoßene zugegangen...
Wer ist dazu fähig? Wir sollen und können Jesus nicht kopieren. Aber wer sich von Jesu Geist leiten lässt, kann schon in seinen Lebensumständen so lieben, wie Jesus geliebt hat. Vor kurzem ist Jean Vanier gestorben - der Gründer der Arche, der Wohngemeinschaften von Behinderten und weniger oder Nicht-Behinderten ins Leben gerufen hat. Vanier war ein solcher Mensch, der in seiner Weise liebte, wie Jesus liebte... Oder unser Papst - er wagt immer wieder von neuem Gesten, die aufhorchen lassen: Brücken bauen zu den Muslimen, etwa in Marokko oder in Abu Dhabi, Gefangenen die Füße waschen, Menschen besuchen, die wie Ausgestoßene in Slums leben...
Fazit: Das Neue des Evangeliums ist die mächtigste Zukunftsperspektive, die wir uns vorstellen können. Doch weder Strukturformen der Kirche, noch Großpfarreien noch Proteste gegen die Hierarchie helfen uns wirklich weiter. Die Kraft und Macht des Neuen können wir nur spüren, wenn wir hoffnungsstark in die Zukunft gehen und immer wieder versuchen, richtig zu lieben - eben so , wie Jesus uns geliebt hat...