Ihr seid das Salz der Erde…. Ihr seid das Licht der Welt“

12. Juni 2018 - Mt 5, 13-16 Domkrypta

Das Salz gibt dem Essen erst den richtigen Geschmack; das Licht soll nicht versteckt werden, sondern es soll leuchten wie ein Stadt auf dem Berg. Die Tagesevangelien befassen sich von heute an mit den Seligpreisungen, der Kernbotschaft Jesu.

Manchmal wird die Frage aufgeworfen, ob e sich bei den Seligpreisungen um direkte, ursprüngliche Worte Jesu handle – um verba ipsissima. Oder ob die ersten Gemeinden von ihren Erfahrungen her diese Worte Jesus in den Mund gelegt hätten.

Ich weiß es nicht. Doch da die Seligpreisungen sicherlich zu den Kernthemen der Verkündigung Jesu gehören, lese ich sie wie ureigenste Worte Jesu – und frage mich vielmehr, wie wir die Worte Jesu in unserer heutigen, nach-volkskirchlichen Zeit verstehen und deuten können.

Dabei war für mich die Begegnung mit dem Erfurter Theologen Prof. Eberhard Tiefensee wichtig. Seine „Salz der Erde“-Deutung hat mir eine neue Sicht erschlossen. „Das Salz ist ein Gewürz, aber kein Grundnahrungsmittel.“ Christen sind nicht der große Teig, sondern das Gewürz, das zum Teig bzw. zum Grundnahrungsmittel hinzukommt. So bestimmt Tiefensee die Rolle der Christen oder Kirchen angesichts einer Gesellschaft, die größtenteils durch religiöse Indifferenz geprägt ist. Papst Franziskus hat mehrmals die religiöse Gleichgültigkeit als den bedrohlichsten Wesenszug der modernen, aufgeklärten Gesellschaften bezeichnet. Es gibt Theisten, Atheisten, Agnostiker und „religiös unmusikalische“ Menschen in unserer Gesellschaft. Wir wissen es: Nur eine Minderheit bekennt sich noch zum Glauben an Jesus, an den von den Toten auferstandenen Messias. Die Verbindung zur traditionellen Kirche ist zerbrochen. Ein persönliches Verhältnis zu Christus ist nicht allen, aber doch vielen, vielen fremd geworden. Tiefensee bezeichnet die religiös Indifferenten als „nachchristliche Neuheiden“.

Die Frage ist nun: Was bedeutet dies für die Christen, die Jesus als Sauerteig, als Licht, als Salz der Erde bezeichnet. Welche Eigenschaften und Lebensgewohnheiten zeichnen uns aus, sodass der ganze Teig, also das Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln, Mehl, Gemüse, Fleisch oder Fisch erst richtig gut schmecken? Das ist keine leichte Frage. Wir brauchen Fantasie zur Beantwortung.

An anderer Stelle spricht Prof. Tiefensee davon, dass es heute in einer diffusen Welt darum gehe, die Kernkompetenz der Christen zu erkennen und sie für Andersgläubige transparent zu machen. Wer könnte etwa 10 Eigenschaften oder Verhaltensweisen nennen, die typisch christlich sind? Keine leichte Aufgabe. Denn auch Ungläubige geben z.B. ihr Leben selbstlos für andere hin….

Wie können wir heute heute Salz der Erde sein? Ich mache einen Versuch, worin unser Anderssein bestehen könnte: Gott inmitten unseres Alltags begegnen, Stille aushalten, Einsamkeit annehmen, in Beziehungen den Weg zum Himmel entdecken, absichtslos unter Mitmenschen da sein, zur Wahrheit stehen, in der Kunst Gott lobpreisen, mit ungläubigen Menschen zusammenarbeiten, an den Rand der Gesellschaft gehen, sich mit verlorenen Menschen identifizieren….