1. Erntedankfest 2015

  2. Hebr 29, 9-11 Lk 10, 12 – 16 - St. Josef, Grombühl

1. Die Ernte ist eingebracht - Dank sagen für Gottes Gaben

Jedes Jahr am Erntedankfest bringen wir ein paar der vielen „Früchte der Erde“ in die Kirche und legen sie – liebevoll arrangiert – vor den Altar. Wir erinnern uns dabei, wie es im Gabengebet heißt, dass es „Früchte der Erde und des menschlichen Arbeit“ sind. Was Gott durch die Erde erschaffen hat und was der Mensch daraus gemacht hat, das legen wir dankbar in die Hände Gottes vor seinem Altar. Wie viel Mühe und Strapazen von Menschen aufgebracht werden, bis es so weit ist, bis die Ernte eingeholt werden kann, das wissen nur die, die auf dem Acker, den Feldern und Weinbergen gearbeitet und sich dort abgerackert haben. Stadtmenschen, wie ich einer bin, wissen das nicht.

Die wenigen Früchte – Gemüse, Salate, Obst mit Blumen geschmückt – sind ein Zeichen, ein Symbol für vieles, für das wir heute Dank sagen wollen. Wie viel Dankenswertes gibt es in unserer Welt, in unserem persönlichen Leben? Ist es nicht wahrlich vieles? Heute freilich denken wir an Obst und Gemüse, an Milch und Wasser, an Getreide und Salate, an Wein und Blumen… und sagen Gott und den Menschen Dank dafür. Gott hat uns alles geschenkt, Menschen haben für unser Leben daraus Wertvolles und Unverzichtbares gemacht.

2. Über unseren Acker und die essbaren Früchte hinaus

Über den Acker und seine Früchte hinaus weiten wir am heutigen Danksonntag unseren Blick noch für Anderes, für viel Wertvolles: für Arbeitsplatz und Rente, für die Dienstleistungen, ohne die wir nicht leben könnten, für die Zuwendungen, die wir von lieben Menschen erhalten, für Freundschaft und Liebe, für Treue und Frieden – für friedliche Verhältnisse, in denen wir leben dürfen, ganz in Unterschied zu den vielen Menschen, die unter Armut, Krieg und Unfrieden leiden. Für all das aber,, das uns geschenkt ist und ohne das wir nicht leben können, ist es gut nicht nur heute, sondern das ganze Jahr über zu danken: für das tägliche Brot, für die Menschen, die unser Leben reich machen und für alles was uns am Leben erhält.

3. Die Schöpfungs-Enzyklika von Papst Franziskus

Dieses Jahr aber hat unser Danken eine ganz besondere Note erhalten – nämlich durch die Schöpfungs-Enzyklika von Papst Franziskus. Sie hat viele Menschen in der ganzen Welt aufhorchen lassen, die erste Schöpfungs- oder Ökologie-Enzyklika eines Papstes. Die Enzyklika beginnt mit den Anfangsworten des Sonnengesangs von Franz von Assisi, dem Namenspatron des Papstes: „Laudato si, mi´ Signore“ - „Gelobt sei du, mein Herr“. Doch ist die Enzyklika kein romantisches Jubelschreiben, obwohl es viele echte Passagen des Jubels und Lobpreises gibt. Vor allem die beiden Gebete, die der Papst am Ende der Enzyklika formuliert und sicherlich auch selbst betet, sind wunderbar: Gebet für unsere Erde und Christliches Gebet mit der Schöpfung.

Nein, die Enzyklika ist sehr ernsthaft und aufrüttelnd geschrieben – entsprech­end des Untertitels „Sorge für das gemeinsame Haus.“ Der Papst, wie viele andere Menschen, ist besorgt darüber, dass die Schöpfung heute vielfach missbraucht und ausgebeutet wird, was zu einer großen Bedrohung für das Überleben der Mernschheit geworden ist. Die Menschheit hat heute die Fähigkeiten, die erde und sich selbst zu zerstören. Diese Bedrohung hält Papst Franziskus für sehr ernsthaft und besorgniserregend. Der erste lateinamerikanische Papst weiß, wovon er redet!

4. Worin belehrt uns der Papst?

Eine Enzyklika ist ein Lehrschreiben eines Papstes. Worin will uns der Papst, der als Apostel der Armen bezeichnet wird, belehren? Das Herzensanliegen des Papstes drückt er selbst so aus: „Von `Schöpfung` zu sprechen ist mehr als von der Natur zu sprechen; denn es (Anm.: sie) hat mit einem Plan der Liebe Gottes zu tun, wo jedes Geschöpf einen Wert hat… Die Schöpfung kann nur als ein Geschenk des Vaters begriffen werden, das aus der offenen Hand des Vaters aller Dinge hervorgeht (76). Die Schöpfung ist in der Ordnung der Liebe angesiedelt. .. Auf jedes Geschöpf (Anm.: also auf jede Kartoffel und auf jeden Apfel, der hier liegt) richtet sich die Zärtlichkeit des Vaters, der ihm einen Platz in der Welt zuweist (77). Der Erdboden, das Wasser, die Berge – alles ist eine Liebkosung Gottes (84). Gott hat ein kostbares Buch geschrieben. Seine Buchstaben sind die Geschöpfe… Durch jedes Ding will mir Gott etwas sagen“ (85).

5. Statt grenzenlos herrschen und verbrauchen – staunen und achtsam sein

Wenn wir oder die Medien von Umwelt, Umweltschäden, Klimawandel und -katastrophe sprechen, dann vermisst der Papst „das Staunen, das Sich-wundern über die Wunder, es fehlt die Sprach der Brüderlichkeit und der Schönheit… Deshalb verhalten wir uns wie Herrscher, wie Verbrauchern und wie bloße Ausbeuter der kostbaren Ressourcen; und deshalb werden wir unfähig, unseren vordergründigen Interessen Grenzen zu setzen“ (11).

Wenn wir uns bewusst werden, dass in allem, was existiert, ein Widerschein Gottes aufleuchtet, wächst in uns auch der Wunsch, dankbar zu sein und in allen Dingen un Geschöpfen den Geist zu erkennen und zu lobpreisen, der in uns den Geist hervorruft, der uns zu lebendigen Beziehungen zu allem und allen befähigt. K. Beurle