Von Jesus fasziniert?

Jona 3,1-5,10; 1 Kor 2,29-31; Mk 1,14-20

Predigt am 24./25. Januar 2015 in Schnackenwert, Ettleben, Werneck

 

In den heutigen Bibeltexten geht es um drei Superworte, um drei Kernbegriffe, die häufig in der heiligen Schrift vorkommen: Umkehr – Reich Gottes – Nachfolge: Was sagt uns das heute? Altmodische Begriffe? Oder doch etwas aktuell?

 

Mir scheint ganz wichtig zu sein, diese biblischen Kernbegriffe in unsere Zeit hinein zu übersetzen. Wenn wir nur wiederholen, was in der Bibel geschrieben steht, gehen wir mit der Bibel um wie mit einem Museum: Dann hat all das nur mit vergangenen Zeiten zu tun… aber nicht mit unserer Zeit.

Das ist übrigens das Problem vieler Muslime, dass sie mit dem Koran wie mit einem Museum, einem Steinbruch umgehen. Sie ziehen einzelne Sätze heraus und halten wortwörtlich an ihrem Buchstaben fest, fragen aber nicht nach Sinn und Bedeutung für heute. Wir sind mit der Bibel früher auch nicht anders umgegangen.

Wir sind heute eher in Gefahr, auch die stärksten Aussagen der Schrift nicht mehr ernst zu nehmen und gleichgültig zu sein. Jesu Worte sind jedoch zeitlos, heute noch so herausfordernd und weltumwerfend wie eh und je….

Umkehr Was bedeutet also „Umkehr“? Wir denken zunächst, es bedeute, von seinen Sünden oder von einem ausschweifenden Leben abzulassen. Papst Franziskus wird nicht müde zu betonen, dass wir alle nach wie vor sündige Menschen sind und es bleiben werden. Es komme bei der Umkehr vielmehr darauf an, uns von den Illusionen der Glücksversprechungen und der Selbstbeglückung frei zu machen, wie sie in den Werbungen unserer Marktgesellschaft uns angepriesen werden.

Sehen wir uns den kleinen Propheten Jona und die Bewohner von Ninive an: Jona fiel es schwer, sich nach Ninive auf den Weg zu machen, um die Einwohner der damaligen Riesenstadt Ninive – drei Tage brauchte man, um sie zu durchqueren – zur Umkehr aufrufen. Er hatte Angst, von den Leuten nicht ernst genommen und nicht gehört zu werden. Aber es kam anders: Die Leute von Ninive sahen ein, dass sie mit ihren bisherigen Lebens- und Denkgewohnheiten auf einem Holzweg sind. Sie ließen sich durch Jona von Gott etwas sagen - mehr als von den Menschen, die sonst das Sagen hatten.

Natürlich, Jona war ein besonderer Mensch und seine Situation war eine besondere. Er war ängstlich und doch zugleich mutig und risikobereit und ließ sich von Gott auf den Weg schicken. Es gibt auch heute solche Jonasse unter uns – denken Sie an Menschen, die aus ihrem Glauben Mut schöpfen, andern zu sagen, wo es lang geht. Denken wir an an Menschen, die sich für die Entrechteten einsetzen und dafür viel wagen. Rupert Neudeck, bekannt durch das Rettungsschiff Cap Anamur, ist diese Woche in den Nordirak aufgebrochen, er wagt alles… Es gibt auch heute nicht gerade Millionenstädte, die umkehren, aber einzelne Menschen - vom Irrtum zur Wahrheit, vom Hass zur Liebe, von Lebenszerstörung zur Lebensrettung. Denken wir an deutsche Dschihadisten, die aus dem Irak zurückkehren. Gott wirkt auf viele Weise - im Stillen.

Reich Gottes Was aber ist mit dem Reich Gottes gemeint? Wir beten seit 2000 Jahren mit jedem Vater-unser darum, dass dein Reich komme und manche hoffen wirklich, dass es doch bald kommen möge, vor allem kranke Menschen, die Schmerzen zu ertragen haben, Menschen, die auf der Flucht sind. Aber selbst in der Schrift ist nicht klar, wann das Reich Gottes kommen wird. Nicht einmal Jesus wusste das Datum, nur der Vater wisse es. Paulus ging sogar fest davon aus, dass es ganz bald kommen werde und wir dementsprechend leben sollten: „Wer weint, weine, als weine er nicht… wer sich freut, freue sich, als freue er sich nicht…“, denn Gott wird nochmals zu uns kommen, bald. Gottes Zeitrechnung ist anders, „das Reich Gottes ist nahe“ (Mk 1,16). Heißt es, dass es schon da ist, weil Jesu Geist bei uns ist?

Ich träume oft vom Reich Gottes, weiß aber nicht, wie ich es mir vorstellen soll. Im Reich Gottes ist Gott alles in allem: Gewalt, Unterdrückung, Versklavung haben ein Ende. Es wird gefeiert, gelacht, Tränen werden abgewischt, alle sind zum Festmahl eingeladen. Alle erfahren Gottes Liebe und Wahrheit, auch jene, die unter Schmerzen vor Gott ihre Schuld, ihre Menschenverachtungen eingestehen müssen. Gott will die Terroristen nicht töten, er will, dass sie umkehren. Der Himmel ist die Welt, in der unsere Sehnsüchte erfüllt werden und unsere Leiden aufhören und unsere Schuld aufgehoben wird. Gott will nichts von dem vernichten, was er geschaffen hat. Er will alles verwandeln, wie Jesu schrecklicher Tod in neues Leben verwandelt wurde. Entscheidend ist für uns, dass wir auf das Reich Gottes hin leben und so handeln, dass Jesu Traum sich erfüllen kann. Wir dürfen keinen Gottesstaat ausrufen, für den Menschen getötet und abgeschlachtet werden, sondern das Reich Gottes verkünden, in dem Menschen in der Freiheit der Kinder Gottes leben können.

Nachfolge Und schließlich zur Nachfolge Jesu heute. Simon und Andreas, Jakobus und Johannes waren Fischer, die Jesus im Vorbeigehen rief und die alles stehen und liegen ließen, um ihm zu folgen. Unfassbar! Das sind Traumgeschichten. Doch der Traum Jesu geht weiter, immer noch. Jesus ruft immer noch Menschen im Vorbeigehen - Menschen, die bei der Arbeit sind, Menschen, die mitten in der Welt leben, die auf Gottes Wort hören und sich nicht darum schere, was andere über sie denken. Wenn ich solchen Menschen begegne, sehe ich in ihnen den Schatz, der im Acker verborgen liegt.

Uns scheint es oft so, als würde Jesus heute nicht mehr rufen oder ihm niemand mehr folgen. Woran liegt es, dass sich so wenige von Jesus faszinieren lassen wie die Männer, die gerade beim Fischen waren? Sie dachten nicht darüber nach, was ihnen fehlt, sondern sahen Jesus und hörten seinen Ruf. Das war genug. Wenn Muslime von ihrem Propheten derart fasziniert sind, dass sie ihr Leben und andere seinetwegen in die Luft sprengen, sollten wir von Jesus nicht viel stärker fasziniert sein? Jesus bietet uns sein Leben an, als Lösegeld, damit wir frei werden und ruft uns auf, unser Leben hinzugeben – um andere Menschen vor dem Tod der Verzweiflung und des Hasses zu retten. Klaus Beurle