Ökumenischer Asylkreis

Geschichte des Ökumenischen Asylkreises im Bereich der heutigen Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber Würzburg

Die Anfänge in der Kuratie Hl. Geist Würzburg-Dürrbachau

 

 

„Der erste Ort, an dem die Kirche den Flüchtlingen ihre Hilfsbereitschaft zeigen muss, ist die Pfarrgemeinde; sie hat die Aufgabe,

  • Gemeindeglieder für die Not der Flüchtlinge zu sensibilisieren
  • Fremde freundlich aufzunehmen, wie Jesus es lehrte: „ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25, 35)
  • Neuankömmlinge nicht als eine Bedrohung ihrer kulturellen Identität und ihres Wohlstands zu betrachten. …Wohlwollen, Achtung, Vertrauen und Teilen sind die praktischen Ausdrucksformen einer solchen Kultur der Solidarität und Gastfreundschaft
  • Angst und Misstrauen gegenüber Flüchtlingen zu überwinden, um in ihnen das Angesicht des Erlösers sehen zu können.“

Schreiben des Päpstlichen Rates Cor unum und des Päpstlichen Rates für die Seelsorge der Migranten und Menschen unterwegs. Papst Johannes Paul II., 2. Oktober 1992. Flüchtlinge, eine Herausforderung der Solidarität

(Quelle: Deutsche Bischofskonferenz: Arbeitshilfen 101)

Diese Worte standen im Weihnachts-Pfarrbrief der Kuratie Hl. Geist im Jahr 1993.

 

ZAST

1993 wurde die ehemaligen Wehrmachtskaserne und spätere Emery-Kasernen der US-Army in der Veitshöchheimer Strasse zum Erstaufnahmelager für Flüchtlinge aus aller Welt. Bis 2005 diente sie als ZAST (Zentrale Aufnahmestelle Nordbayern), in der Asylbewerber wohnen mussten, um ihre Identität und ihren Anspruch auf Asyl zu klären und ggf. das Asylverfahren vorzubereiten. Nach wenigen Monaten Aufenthalt wurden sie in verschiedene Gemeinschaftsunterkünfte in Nordbayern verlegt.

Ostern1993 macht sich die Kuratie Hl. Geist zur Aufgabe, den Asylsuchenden im Geist Christi zu begegnen und im Pfarrheim eine regelmäßige Begegnungsmöglichkeit mit Tee, Gesprächen, Musik und Spielen zu öffnen. Mit Pastoralreferent Herberich setzt sich der Pfarrgemeinderat für den „Asyl-Kontakt-Kreis Dürrbachau“ ein, der seit Beginn ökumenisch geprägt ist, mit Christen aus der Dürrbachau, Unterdürrbach, Margetshöchheim und der St. Johannis Gemeinde Würzburg. Alle 2 Wochen oder monatlich treffen sich ca. 30 Frauen und Männer aus der ZAST mit ehrenamtlichen Helfern der Gemeinden im Pfarrheim Hl. Geist. Die starke Fluktuation der Asylsuchenden in der ZAST macht immer wieder neue Kontakte möglich.

 

Aus der ZAST wird die GU

Im Jahr 2005 wird aus der ZAST eine GU, eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber. Diese Menschen wohnen seitdem monate- und jahrelang in der GU, in der ihre Asylanträge verhandelt werden, in Duldung (Aussetzung der Abschiebung) oder unterschiedlichen Stati.

Die Besucherzahlen bei den Teetreffs im Pfarrheim Hl. Geist gehen langsam zurück. Waren es früher immer verschiedene Familien, Männer und Frauen, die zum Teetreff und sonntags zum Gottesdienst in die Kirche kamen, sind es jetzt immer wieder die, die lange in der GU wohnen müssen.

Die Ausrichtung des ÖAK war in dieser Zeit zuallererst sozial orientiert, als Angebot der Begegnung und des Kennenlernens. Die Asylbewerber waren seitens der Kuratie immer wieder im Blick, bei und nach den Gottesdiensten und bei den Pfarrfesten. Individuelle Unterstützung in verfahrensrechtlichen Fragen für Einzelne erfolgt vertraulich durch die Leitung. Die Auseinandersetzung mit dem Bürgerverein Dürrbachau e.V. wird nicht in der Öffentlichkeit geführt.

Nach einer 2-jährigen Auszeit des Kreises schließen sich dem ÖAK Ende 2006 unter neuer Leitung von Pastoralreferent Behr zunehmend mehr Frauen und Männer aus Würzburg und der Region an.

 

15 Jahre Asylarbeit 2008

Am Rande des 50-jährigen Jubiläums der Kuratie Hl. Geist am 8. Juni 2008 kann der ÖAK auf 15 Jahre Asylarbeit zurückblicken. Nahezu unbeachtet von den Besuchern des Jubiläums im Festzelt lädt der 19 Meter lange Großraum-Truck  "LABYRINTH-FLUCHTWEG“ Interessierte ein, zu "Flüchtlingen" zu werden. Ausgerüstet mit Koffern und Kopfhörern erleben sie in der Enge und Dunkelheit des Trucks multimedial, was Flüchtlingen widerfährt, die aus ihrer Heimat in eine ungewisse Zukunft flüchten.

Der ÖAK engagiert sich vermehrt öffentlich und politisch. In den Jahren 2009 und 2010 veranstaltet der ÖAK die „Bürgerforen Asyl“ im Pfarrheim Hl. Geist und im Würzburger Rathaus. Mit Kommunal- und Landespolitikern werden aktuelle Probleme in der GU in die Öffentlichkeit gebracht (z.B. Überbelegung, NATO-Zaun, Hygienebedingungen) und Möglichkeiten konkreter Erleichterungen gesucht (z.B. WVV-Karten, Sprachförderung). Seitens der Leitung werden direkte Gespräche mit Regierungsverantwortlichen geführt. Der ÖAK ist in der ASYLKO der Caritas und bei den Regierungsgesprächen vertreten.

Neben dem Deutschkursangebot der Gemeinschaft Sant Egidio bieten Frauen des ÖAK regelmäßige Deutschkonversation für Frauen in der GU an. Sportangebote werden vermittelt. In Initiative des ÖAK mit dem Lehrstuhl für Sport der Universität Würzburg wird wöchentlich Box- und Konditionstraining in der GU angeboten. 2009 und 2011 gestaltet der ÖAK in der Nacht-der-offenen-Kirchen die St. Burkard-Kirche und die Franziskanerkirche zur Flüchtlingsthematik.

 

Das Ende einer Ära

Mit neuem Konzept führt der ÖAK seine regelmäßigen Teetreffs ab Herbst 2009 in der GU Würzburg weiter. Im Juli 2011 endet die lange Tradition der ÖAK-Teetreffs. Das "heimcafe" übernimmt die Montagstreffs in Eigenregie. Die Gründungsmitglieder des ÖAK Ingrid Warth und Henriette Schnabel scheiden nach 18 Jahren besonders engagierter Mitarbeit aus dem ÖAK aus. Aus der Kuratie Hl. Geist arbeitet damit niemand mehr kontinuierlich im ÖAK mit. Pastoralreferent Behr legt aufgrund neuer Aufgaben in der Asylseelsorge Anfang 2012 die Leitung nieder. Pfarrer Hans C. Schmidt leitet den ÖAK bis zum Ende dieses Jahres. Dr. Klaus Beurle übernimmt die Leitung des ÖAK ab 2013.