Lichtbrücke e.V./Partnerschaft Bangladesh

Ausbildungszentrum Khagrachari

Ein strahlender Lichtblick für Jugendliche im Bergland - Persönliche Erfahrungen

Die Lichtbrücke in Engelskirchen hat mit ihrem Partner Anandoin Bangladesch ein Glanzstück der basisorientierten Entwicklungsarbeit geschaffen. Es war vor dem Friedensabkommen 1997 unvorstellbar, dass in der früheren Bürgerkriegsregion, den Chittagong Hill Tracts (CHT) ein berufliches Ausbildungszentrum entsteht, in der männliche und weibliche Jugendliche aus abgelegenen Bergdörfern eine berufsbezogene Ausbildung erhalten. Auch heute sind noch Militärs in den CHT präsent, weil es immer wieder zu Konflikten kommt, wenn die Bergvölker, die keine Landdokumente besitzen, von den bengalischen Siedlern ihres angestammten Landes beraubt werden.

Dennoch konnte Anando 2006 beginnen, wohlwollend von Behörden und Militärs akzeptiert, von der Lichtbrücke unterstützt, Schritt für Schritt ein berufliches Ausbildungszentrum (Vocational Training Centre/VTC) in Khagrachari aufzubauen.

Jugendlicheaus verschiedenen Kulturen und Religionen, die bis dahin untätig zuhause saßen, sind froh, einen Ausweg aus ihrem brotlosen Dasein finden zu können. Anando förderte von Anfang an auch kulturelle Aktivitäten wie Singen, Tanzen, Schauspielen und gemeinsame Gartenarbeit, um zu einem friedlichen Miteinander der Jugendlichen zu gelangen.

Mit einer kleinen Zahl von ausgebildeten Berufslehrern/in wurde das Fundament des Zentrums gelegt. Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen ist groß. Heute werden die Fächer Mechanik, Schweißen, Schreiner, Elektrik und Elektronik unterrichtet; der Theorie folgt ein Praktikum. Das Ausbildungsniveau wird von Besuchern als erstaunlich hoch bezeichnet. Für weit entfernt lebende Jugendliche wurde mit Hilfe eines deutschen Unternehmers für männliche und später für weibliche Schüler bzw. Schülerinnen mit einer Kapazität von je 30 bzw. 20 Plätzen gebaut. Die Warteliste ist groß. Innerhalb von 10 Jahren haben 857 Jugendliche eine berufliche Ausbildung erhalten. 86% davon ist es gelungen, eine Beschäftigung zu finden bzw. sich selbst Geld zu verdienen.

Wenn ich hier meine persönlichen Erfahrungen anschließen darf, will ich kurz schildern, weshalb und wie ich die Notwendigkeit sah, berufliche Ausbildung zu fördern. Als ich 1975 in Bangladesch ankam, hatte ich keine Idee davon. Ich erinnere mich, wie ich anfangs weit und breit nichts anderes sah als Armut und menschliches Elend. 1975 war das Jahr, in dem der „Vater der Nation“, Sheikh Mujibur Rahman, ermordet wurde.

Als ich in dieser Situation mit späteren Freunden, Paul Tigga und Naresh Chakrabarty, überlegte, wie man Armut von der Wurzel her bekämpfen könnte, wollten wir nichts von außen in die Landbevölkerung hineintragen, sondern sie selbst fragen: „Wo drückt der Schuh? Was können wir gemeinsam gegen die Armut tun?“ Wir wollten nicht in der Stadt, sondern in Dörfern beginnen.

Die überwiegende Antwort der Armen in den Dörfern auf unsere Frage, was am meisten nottut, war: „Wir brauchen für unsere Kinder Bildung. Denn ihnen soll es später besser gehen als uns“. Es entstand Dipshikha (Lichtfunke), daraus entstanden in der Region um Rudrapur viele Vorschulen (Preschools), die vom ehrenamtlichem Einsatz von sog. Dishari-Studenten, College-Studenten/innen, getragen wurden, die freiwillig halfen, Kindern vom Analphabetentum zu befreien. Die Vorschul-Bewegung breitete sich aus.

Einige Jahre später kam ein anderer Appell aus den Dörfern: „Ihr habt viel für unsere Kinder getan, doch auch nsere Frauen brauchen Bildung und zusätzlich Arbeit, sonst sind sie den Anforderungen ihrer Kinder nicht gewachsen“. Daraus ist 1989 Tarango (Welle), eine Frauenorganisation, entstanden, in der inzwischen über 18 000 Frauen durch Bildung, Ausbildung und Handarbeit ihre Lebensverhältnisse verbessern konnten.

 

Danach hielten uns viele Dorfbewohner vor, die arbeitslosen Jugendlichen in den Dörfern vergessen zu haben. „Wir sollen doch für sie eine Fabrik bauen, damit die umherlungernden Jugendlichen etwas arbeiten könnten.“ Ich war ratlos, bis mir Bruder Donald seine Methode verriet. „Ich bilde einen Schreiner, einen Mechaniker und eine Schneiderin aus und gehe dann mit ihnen in die Dörfer. Mit unseren mobilen Ausbildungszentren bleiben wir für ein Jahr in einem Dorf und bilden arbeitslose Jugendliche theoretisch und praktisch aus. Das kommt sehr gut an.“

 

Von diesem Modell habe ich gelernt. Mit diesem Prinzip haben wir zunächst mit Bangla German Sampreeti ganz im Kleinen das inzwischen angesehene Ausbildungszentrum in Tangail aufgebaut. Anando hat, eingebunden in aktive Friedensförderung, die berufliche Ausbildung benachteiligter Jugendlicher im Krisengebiet CHT begonnen. Ich bin dankbar und ein wenig stolz, dass mit dem Ausbildungszentrum in Khagrachari etwas entstanden ist, wovon ich nur träumen konnte. Ich hoffe, dass weitere Förderer weitere Ausbildungszentren für arme, arbeitswillige Dorf-Jugendliche ermöglichen. Klaus Beurle