Islamische Mystik

Sufismus

 

„Sufismus ist die alte Weisheit des Herzens. Er ist nicht durch Form, Zeit oder Raum begrenzt. Er war immer und wird immer sein.“


 

Texte von Sufis

Welche Herrlichkeit!
Ein Garten inmitten der Flammen! 
Mein Herz hat sich für jegliche Form geöffnet: 
Es ist eine Weide für Gazellen, und ein Kloster für christliche Mönche, 
und ein Tempel für Götzenbilder, und die Kaaba der Pilgernden, 
und die Tafeln der Tora, und das Buch des Korans. 
Ich folge der Religion der Liebe: 
Welchen Weg die Kamele der Liebe auch einschlagen, 
das ist meine Religion und mein Glaube.

Muhyiddin Ibn Arabi (geb. 7. August 1165 in Murcia; gest. 16. November 1240 in Damaskus)

 

Ich bin ein Mensch und male Gemälde. Jeden Augenblick schaffe ich eine neue Form, und dann wische ich sie in deiner Gegenwart alle weg.

 

Ich rufe hundert Erscheinungen auf und flösse ihnen Geist ein. Wenn ich deine Erscheinung schaue, werfe ich die andern ins Feuer.

 

Bist du des Weinhändlers Schenk oder der Feind des Nüchternen? Oder bist du´s, der aus jedem Haus, das ich baue, eine Trümmerstatt macht?

 

In dir ist die Seele aufgelöst, mit dir ist sie vermischt. O, ich will die Seele hegen, denn sie hat einen Duft von dir.

 

Jeder Blutstropfen, der aus mir rinnt, spricht zu seinem Staub: Ich bin mit deiner Liebe eine Farbe, ich bin der Genosse deiner Neigung.

 

Im Haus aus Wasser und Lehm ist ohne dich trostlos das Herz.

O, Geliebter, tritt ein in das Haus, oder ich werd´ es verlassen.

 

Dschelal eddin Rumi (geb. 1207 in Afghanistan, gest. 1273 in Konya, Osttürkei)

Ich versuchte, ihn zu finden am Kreuz der Christen, aber er war nicht dort. Ich ging zu den Tempeln der Hindus und zu den alten Pagoden, aber ich konnte nirgendwo eine Spur von ihm finden.

Ich suchte in den Bergen und Tälern, aber weder in der Höhe noch in der Tiefe sah ich mich imstande, ihn zu finden. Ich ging zur Kaaba in Mekka, aber dort war er auch nicht. Ich befragte die Gelehrten und Philosophen, aber er war jenseits ihres Verstehens. Ich prüfte mein Herz, und dort verweilte er, als ich ihn sah. Er ist nirgends sonst zu finden.               Dschelal eddin Rumi               

 

                                 

 

Achte gut auf diesen Tag,
denn er ist das Leben –
das Leben allen Lebens.
In seinem kurzen Ablauf liegt alle seine
Wirklichkeit und Wahrheit des Daseins,
die Wonne des Wachsens,
die Größe der Tat,
die Herrlichkeit der Kraft.
Denn das Gestern ist nichts als ein Traum
und das Morgen nur eine Vision.

Das Heute jedoch, recht gelebt,
macht jedes Gestern
zu einem Traum voller Glück
und jedes Morgen
zu einer Vision voller Hoffnung.

Darum achte gut auf diesen Tag.

 

Frühe Sufis

Die ersten Sufis soll es nach muslimischer Überlieferung schon zu Lebzeiten des Propheten Mohammed im 7. Jahrhundert gegeben haben.

Etymologisch ist unklar, ob das Wort Sufi von arabisch ṣūfصُوف‎ – „Schurwolle“, das auf die wollenen Gewänder der Sufis hinweist, oder von ṣafāصفا‎ – „rein sein“ stammt. „Rein“ meint in diesem Zusammenhang gereinigt von Unkenntnis bzw. Unwissenheit, Aberglauben, Dogmatismus, Egoismus und Fanatismus sowie frei von Beschränkungen durch die soziale Schicht, politische Überzeugung, Rasse oder Nation.

Das Wort selbst ist in Deutschland am Beginn des 19. Jahrhunderts geprägt worden.. Ein Sufi bezeichnet sich selbst in der Regel nicht als solcher, vielmehr verwenden Sufis für sich Bezeichnungen wie "Menschen der Wahrheit", die "Nahen", „Suchende“, „Schüler“, „Reisende“, etc.

Sufis des 9. und 10. Jahrhunderts

Im 9. Jahrhundert war Dhu'n-Nun al-Misri (gestorben 859) einer der ersten Sufis, der von „Fana“ (arab. für Auflösung) sprach, von der Vernichtung bzw. Auflösung des Selbst, des menschlichen Ego (nafs). Durch seine poetischen Gebete führte er eine neue Deutung der Schöpfung in die ernste und asketische Frömmigkeit der damaligen Sufis ein. Alles Geschaffene war ihm Anlass zum Lobpreis Gottes, worin der die späteren Dichtungen persischer und türkischer Sufis beeinflusste.

Bayazid Bistami (803–875), aus Bistam im heutigen Iran, hielt die Liebe für das Wichtigste, um die Einheit mit Gott zu erreichen.

Zur damaligen Zeit betrachtete die islamische Orthodoxie bereits die Aktivitäten der Sufis mit wachsendem Misstrauen, aus diesem Grund lehnte Dschunaid seinen Schüler Mansur al-Halladsch (858–922), ebenfalls ein Perser, ab, der die Geheimnisse des Sufipfades in aller Öffentlichkeit aussprach. Von diesem stammt einer der bekanntesten Aussprüche eines Sufis: „ana al-Haqq“. Dieser Ausspruch lautet übersetzt „Ich bin die Wahrheit“, wobei Haqq nicht nur Wahrheit bedeutet, sondern auch einer der Namen Gottes ist. Somit kann man auch übersetzen: „Ich bin Gott“. Dies und sein provokantes Auftreten waren einige der Gründe, warum al-Halladsch schließlich als erster Sufi-Märtyrer hingerichtet worden ist.

Al-Ghazali (1058–1111)

Ein wichtiger Vertreter des Sufismus ist al-Ghazali (* um 1058, gest. 1111), auch er ein Perser, der einer der ersten war, der seine Ideen zu einem System ordnete. Der große sunnitische Theologe gliederte die gemäßigte Mystik des Sufismus in den orthodoxen Islam ein. Der ursprüngliche Rechtsgelehrte erkannte eines Tages, dass er nur durch eine der Welt entsagende Lebensweise wirklich zu Gott finden könne. Er gab deshalb seinen Lehrstuhl an der Universität in Bagdad auf, um als wandernder Derwisch viele Jahre in der Abgeschiedenheit zu verbringen. Er hinterließ der Welt zahlreiche religiöse und spirituelle Schriften, in dem es ihm gelang, die Orthodoxie mit dem Sufismus zu versöhnen und beide Darstellungen der göttlichen Wirklichkeit aneinander anzunähern. Durch Abmilderung des radikalen Asketismus der frühen Sufis und Systematisierung des sufistischen Gedankenguts trug al-Ghazali maßgeblich zur allgemeinen Anerkennung des Sufismus im Islam bei. Er lehnte eine starre Dogmatik ab und lehrte den Weg zu einem Gottesbewusstsein, das aus dem Herzen entspringt.

Ibn al-Arabi (1165–1240)

Ebenso bedeutend wie al-Ghazali ist Ibn Arabi (1165–1240), der etwa ein halbes Jahrhundert nach al-Ghazalis Tod in der spanischen Stadt Murcia geboren wurde. Ibn Arabi ist Autor etwa 500 wichtiger sufistischer Schriften; man sagt, er habe keinen spirituellen Lehrer gehabt, sondern sei von dem verborgenen Meister Khidr direkt in den mystischen Islam initiiert worden.

Ibn Arabi beschreibt die vier Stationen des sufistischen Wegs folgendermaßen[7]: Auf dem Niveau von Schari'a gibt es „dein und mein“. Das heißt: das religiöse Gesetz regelt die individuelle Rechte und ethische Beziehungen zwischen den Menschen. Auf dem Niveau von Tariqa „ist meins deins und deins ist meins“. Von den Derwischen wird erwartet, dass sie sich gegenseitig als Brüder und Schwestern behandeln, den jeweils anderen an seinen Freuden, seiner Liebe und seinem Eigentum teilhaben lassen. Auf dem Niveau der Wahrheit (Haqiqa) gibt es „weder meins noch deins“. Fortgeschrittene Sufis erkennen, dass alle Dinge von Gott kommen, dass sie selbst nur die Verwalter sind und in Wirklichkeit nichts besitzen. Diejenigen, die die Wahrheit erkennen, interessieren sich nicht für Besitz, gesellschaftliches Ansehen und Äußerlichkeiten. Auf dem Niveau der Erkenntnis (Ma'rifa) gibt es „kein ich und kein du“. Der einzelne erkennt, dass nichts und niemand von Gott getrennt ist. Diese Erkenntnis ist das oberste Ziel des Sufismus.

Die Sufis suchen durch tägliche regelmäßige Meditation (Dhikr, das bedeutet „Gedenken“, also „Gedenken an Gott“, bzw. Dhikrullah) Gott nahe zu kommen oder mit Gott schon im irdischen Leben eins zu werden. Letzteres wird vom orthodoxen Islam und der ihr eigenen islamischen Rechtsprechung (Fiqh) kritisch betrachtet, wenn nicht gar als Gotteslästerung verdammt. Die Sufis sind andererseits oft der konservativen, oftmals verknöcherten und verhärteten islamischen Rechtswissenschaft gegenüber kritisch eingestellt. Mansur al-Halladsch, der mit Gott so eins geworden zu sein glaubte, dass er sagte: Ana al-Haqq („Ich bin die Wahrheit“ bzw. „Ich bin Gott“, s.o.). Er wurde von der Orthodoxie als Ketzer verdammt und öffentlich hingerichtet.

Die „Vervollkommnung des Dhikr“ ist seit je her ein hohes Ziel bei den Sufis gewesen und es wird angestrebt, den Dhikr immerwährend zu wiederholen, sodass er selbst inmitten aller anderen (weltlichen) Aktivitäten weiter im Herzen fortfährt. Dies entspricht einem „ununterbrochenen Bewusstsein der Gegenwart Gottes“. Letzteres wird „Dhikr des Herzens“ genannt, während die nach außen hörbare Form als „Dhikr der Zunge“ bezeichnet wird.

Sufi-Ordensgemeinschaften

Es wird heutzutage von den meisten Historikern angenommen, dass die erste Sufi-Ordensgemeinschaft (Tariqa) im 12. Jahrhundert von Abd al-Qadir al-Dschilani (1088 oder 1077–1166) gegründet wurde, die deshalb auch den Namen Qadiri-Tariqa trägt. Später entwickelten sich weitere Tariqas, von denen viele größtenteils noch heute existieren. Die Zentren bzw. Versammlungsorte der Orden nennt man Khanqah (persisch ‏خانگاهchānegāh und ‏خَانَقَاهchāneghāh), Dergah (persisch ‏دَرْگَاهdargāh „Türschwelle“, „Palast“; osmanisch dergâh auch Derwischkonvent), Tekke (osmanisch ‏تَكَّيَّهtekke, tekye) oder Zawiya (arabisch ‏زَاوِيَةzāwiya pl. ‏زَوَايَاzawāyā). Manchmal ist auch von Konventen oder Klöstern die Rede, man kann aber eine Tekke nicht mit der christlichen Vorstellung eines Klosters vergleichen.

Eine der bekanntesten Tariqas ist die der Mevlevis, die auf den Sufipoeten Dschalal ad-Din Rumi zurückgeht. Die meisten seiner Werke sind in persischer, manche aber auch in arabischer Sprache verfasst. Die Derwische dieses Ordens praktizieren den Dhikr mit religiöser Musik und drehen sich dabei um die eigene Achse. Dieses Ritual ist im Westen als „Derwischtanz“ (semā) oder „Tanz der drehenden Derwische“ bekannt.

Der Begriff Derwisch leitet sich her vom persischen Wort dar („Tor“, „Tür“), ein Sinnbild dafür, dass der Bettler von Tür(schwelle) zu Tür(schwelle) wandert. In der sufistischen Symbolik bedeutet dies auch die Schwelle zwischen dem Erkennen der diesseitigen irdischen (materiellen, siehe auch dunya) und der jenseitigen göttlichen Welt.

Die volle persische Übersetzung für Derwisch (persisch ‏دَرْوِیشdarwīsch) ist „Bettler“. Dabei ist es aber nicht unbedingt wörtlich zu nehmen, dass jeder Sufi ein Bettler sei; sondern dieser Begriff dient auch als Symbol dafür, dass derjenige, der sich auf dem Weg des Sufismus befindet, seine eigene „Armut gegenüber Gottes Reichtum“ erkennt.

Weitere überregionale Sufi-Orden neben den bereits genannten sind Naqschbandi, Bektaschi, Kubrawi, Suhrawardi, Chishti oder Halveti. Diese Orden sind darüber hinaus in zahlreiche Unterverzweigungen gegliedert und haben manchmal auch Überschneidungen untereinander.

Der Scheich

In der sufistischen Tradition ist es wichtig, dass das Wissen durch eine „lebendige Linie“ übertragen wird. Deswegen ist es für einen Derwisch unerlässlich, sich der geistigen Führung eines Scheich bzw. Murschid (Lehrer) anzuvertrauen, der durch eine Überlieferungskette (Silsila) bis über den Propheten Muhammad mit der göttlichen Wissensquelle verbunden ist. Die Funktion des Scheich ist nicht zuletzt deshalb unerlässlich, weil die Sufis selber um die Gefahren egoistischer Täuschungen wissen. Hierzu ein Zitat:

„Es ist leichter, einen Berg an einem Haar herumzuschleppen, als sich mit eigener Kraft aus sich selbst zu befreien.[8]

Der Scheich leitet in gemeinsamen Zusammenkünften mit seinen Derwischen nicht nur den Dhikr, sondern er gibt jedem seiner Schüler meist auch individuelle spirituelle Übungen, die dem Stand des einzelnen Derwischs entsprechen. „Es existiert keine Macht, die es wert ist, angebetet zu werden, außer Gott“. Darüber hinaus kennen die meisten Orden ein wöchentliches Zusammentreffen, bei dem neben der Pflege der Gemeinschaft und dem gemeinsamen Gebet ebenfalls ein Dhikr ausgeführt wird. Je nach Orden kann dieser Dhikr auch Musik, bestimmte Körperbewegungen und Atmungsübungen beinhalten.

Entgegen der Meinung von Sufismus-Kritikern wird ein authentischer Scheich nie die Personenverehrung fördern. Er zieht zwar als Lehrer die Aufmerksamkeit auf sich, aber dann wird er von sich weg, hin zum Ewigen (= Allah) weisen. Es ist deshalb die Aufgabe des Scheichs zu verhindern, dass der Schüler sich dem eigenen Selbst (vgl. nafs) oder der Persönlichkeit des Lehrers hingibt.

Im Sufismus wird oft das Symbol der Rose gebraucht. Diese stellt die Stufen auf dem Weg eines Derwischs folgenderweise dar: Die Dornen stehen für die Schari'a, das islamische Gesetz, der Stängel ist Tariqa, der Weg. Die Blüte gilt als Symbol für Haqiqa, der Wahrheit, die schließlich den Duft, Ma'rifa, die Erkenntnis, in sich trägt.

Der Mittelpunkt der sufistischen Lehre ist die Liebe (arabisch hubb, 'ischq, mahabba), die im Sinne von „Hinwendung (zu Gott)“ zu verstehen ist. Die Sufis glauben, dass sich die Essenz der göttlichen Liebe im Universum widerspiegelt. Dies lässt sich in den „berauschten“ Gedichten vieler islamischer Mystiker erkennen, die die Einheit mit Gott und die Gottesliebe in den Menschen besingen. Da diese poetischen Werke meist mit Metaphern durchsetzt sind, wurden sie in der Geschichte oft von islamischen Rechtsgelehrten argwöhnisch betrachtet. In ihren Augen haben sie ketzerische Aussagen, wenn beispielsweise der Suchende vom „Wein“ berauscht ist; in der Symbolik des Sufismus steht der Wein für die Liebe Gottes, der Sheikh für den Mundschenk und der Derwisch für das Glas, das mit der Liebe gefüllt wird, um zu den Menschen getragen zu werden.

Es gibt Sufi-Orden, die als sunnitisch oder schiitisch klassifiziert werden können, aber auch solche, die beiden, und andere, die keiner der beiden islamischen Richtungen zuzuordnen sind. Diese stellen einen separaten Bereich des muslimischen Glaubens dar und lehren meist einen „universellen Sufismus“. Die meisten Sufis bewegen sich aber innerhalb des orthodoxen Islams von Sunna und Schia und sind somit entweder Sunniten oder Schiiten, wobei die meisten Tariqas mit dem sunnitischen Islam in Verbindung gebracht werden (z. B. Naqshbandi, Qadiri) und nur wenige mit dem schiitischen.

Der Sufismus ist immer lebendig geblieben und hat seine Dynamik bewahrt, weil er sich stets den Zeiten anpasst und sich dementsprechend wandelte. Gleichzeitig bleibt er aber der Essenz der Tradition treu, die in der inneren Ausrichtung des Herzens auf Gott sowie das Aufgeben des Ego besteht. Da Gesellschaften und Kulturen sich ständig weiterentwickeln und verändern, antwortet auch der Sufismus äußerlich gesehen auf diese Veränderungen, was in einer Überlieferung so ausgedrückt wird:

„Sufismus ist die alte Weisheit des Herzens. Er ist nicht durch Form, Zeit oder Raum begrenzt. Er war immer und wird immer sein.“

Das oberste Ziel der Sufis ist, Gott so nahe zu kommen wie möglich und dabei die eigenen Wünsche und Vorstellungswelt hinter sich zu lassen. Dabei wird Gott bzw. die Wahrheit als „der Geliebte“ erfahren. Der Kern des Sufismus ist demnach die innere Beziehung zwischen dem „Liebenden“ (Sufi) und dem „Geliebten“ (Gott). Durch die Liebe wird der Sufi zu Gott geführt, wobei der Suchende danach strebt, die Wahrheit schon in diesem Leben und nicht erst im Jenseits zu erfahren. Dies spiegelt sich in dem Prinzip zu sterben, bevor man stirbt wieder, das überall im Sufismus verfolgt wird. Hierzu versuchen die Sufis, die Triebe der niederen Seele bzw. des tyrannischen Ego (an-nafs al-ammara) so zu bekämpfen, dass sie in positive Eigenschaften umgeformt werden. Auf diese Weise kann man einzelne Stationen durchlaufen, deren höchste die reine Seele (an-nafs al-safiya) ist und durch die Propheten und Heilige ausgezeichnet sind.

„Sufismus bedeutet, nichts zu besitzen und von nichts besessen zu werden.“

Ein wichtiger Aspekt der sufistischen Lehre besteht darin, dass man die Wahrheit erfährt und nicht nur intellektuell erfasst. Für Sufis ist entscheidend, eher mit gutem Beispiel sich der Welt zu zeigen, als über den Glauben zu reden.

Viele Sufis, so sie nicht Anhänger einer strengen Scharia sind, glauben, dass in allen Religionen eine grundlegende Wahrheit zu finden sei, und dass die großen Religionen von ihrem Wesen her dasselbe sind. Manche Sufis gehen deswegen sogar so weit, dass sie den Sufismus nicht innerhalb des Islam (also einer Religion) angesiedelt sehen, sondern meinen, dass die Mystik über der Religion stehe, ja diese sogar bedinge.

Rausch und Ekstase in Pakistan

Im Westen gilt Pakistan als eines der gefährlichsten Länder der Welt: Islamistische Anschläge und Terrorcamps, davon erzählen die Medien. Doch es gibt auch eine ganz andere Seite des Landes. Pakistan ist Kernland des Sufismus in der muslimischen Welt.

Islam mit Musik und Tanz

Die Sufis stehen für einen mystischen und friedlichen Islam, Gewalt lehnen sie ab. Sie wollen mit Musik, vor allem auch Tanz, Gott nahe kommen. Das ist in den vielen Ausprägungen des Islam eine Seltenheit. Viele Sufis glauben, dass in allen Religionen eine grundlegende Wahrheit zu finden sei. Das macht sie unempfindlich gegenüber dem Fundamentalismus. Manche Sufis gehen sogar so weit, dass sie die großen Weltreligionen wie z.B. Christentum und Hinduismus, als von ihrem Wesen mit dem Islam vergleichbar ansehen.