Ans Ziel gekommen – mit Leib und Seele

Mariä Himmelfahrt 2013 – Heilig Kreuz, Zellerau

 

Was ist denn eigentlich das Ziel unseres Lebens? Eine anspruchsvolle Frage! Will ich mein Ziel erreichen, sofern ich eines habe? Manche unter uns haben gar kein Ziel. Gläubige Christen dagegen sagen am liebsten: mein Ziel ist es, in den Himmel zu kommen… Auf die Frage eines Lehrers, ob Schüler Hans denn in den Himmel kommen wolle, antwortet Hans: „Ich will nicht in den Himmel, mir gefällt es doch hier unten so gut….“

Maria war ein Mensch, der ein einziges Ziel hatte. In den Himmel zu kommen? Daran dachte sie vielleicht gar nicht. Ihr Lebensziel sah sie darin, in allen Augenblicken und in allen Umständen den Willen Gottes zu erfüllen. Ihr wurde Unvorstellbares zugemutet - denken wir an die Botschaft des Erzengels oder an die Flucht nach Ägypten. Sie gab aber nicht nur einmal diese Antwort: Mir geschehe nach Deinem Wort. Maria ging durch dick und dünn, Unbegreifliches und Schicksalsschläge hat sie auf sich genommen, doch bei allem wollte sie nichts anderes, als den Willen des Vaters, den ihr erstmals Gabriel verkündet hatte, bedingungslos anzunehmen. Als die Jungfrau den Gottessohn geboren hatte, lag ihr nur eines am Herzen: bei ihrem Sonn zu sein und anderen zu sagen, was ihr Lebensmotto war: Tut, was er euch sagt. Sie verstand ihren Sohn oftmals nicht, aber sie wollte immer bei ihm sein und tun, was er sagte.

Gott war daher so sehr von Marias Offenheit und Treue angetan, dass er sie nach ihrem Tod mit Leib und Seele in den Himmel aufnahm. Dieses festliche Ereignis feiern wir heute. Die Freude unter vielen Christen darüber ist so groß, dass das Fest Mariä Himmelfahrt an vielen Orten, besonders an Pilgerorten, mit schönster, farbenprächtiger und größtmöglicher Festlichkeit begangen wird. Wer hat eine solche Festfeier am 15. August mit Prozession und Kräuterweihe nicht schon einmal mitgefeiert oder miterlebt? In Santiago de Chile, in Lourdes, in Tschenstochau…

Was aber war mit ihr geschehen, was uns zuvor nur von Jesus, dem Sohn Mariens, bekannt war – leibhaftig in das Reich des Vaters aufgenommen? Kein Mensch ist so sehr zum Werkzeug des göttlichen Plans geworden wie Maria, dass die Kirche fest daran glaubt: Maria wurde, wie ihr Sohn, mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen. Wie sollen wir uns das vorstellen? fragen viele. Fragen wir uns: Wie können wir uns die Aufnahme des gekreuzigten Jesu mit Leib und Seele in den Himmel vorstellen? Jesus war nach seinem Tod plötzlich nicht mehr da und dann doch wieder da - anders, als zuvor: lebendig zeigte er sich für kurze Augenblicke seinen Jüngern und Maria. Mehr wissen wir nicht. Das Ereignis der Himmelfahrt ist so groß und unfassbar wie die Menschwerdung Gottes selbst. Wie soll Gott, der alles in allem ist und überall und durch alles wirkt, sich auf einen einzigen Menschen, auf den Zimmermannssohn in Nazareth lebend eingrenzen? Ist dies vorstellbar? Wahrlich nicht. Doch eben dies ist das Fundament unseres Glaubens, der wir durch Gottes Menschwerdung und Auferstehung frei wurden von unserer Begrenztheit und Vergänglichkeit, von unserer Schuld. An Maria ist dasselbe Unvorstellbare geschehen: sie wurde hineingenommen in die Herrlichkeit Gottes. Ihr Leib ist in Gottes Welt lebend da, wie Jesu Leib für uns da ist nach seiner Auferstehung – gegenwärtig und doch nicht sichtbar, greifbar und doch nicht fassbar.

Viele Christen vertrauen daher auf die Fürsprache der Mutter Gottes, beten inbrünstig zu ihr – denn sie ist durch die Nähe zu ihrem Sohn uns so nahe wie ihr Sohn selbst. Daher jubelt die ganze Schöpfung - Himmel und Erde, Blumen und Kräuter, Tiere und Menschen. Jubeln wir mit ihnen! KBeurle