Nachruf Andreas Möckel 12. Dezember 2019

Liebe Freunde,

tief erschüttert lese ich soeben, dass unser lieber Andreas Möckel für uns nun doch schnell – am 11. Dezember 2019 - in die Ewigkeit heimgerufen wurde.

Ich durfte Andreas noch am vergangenen Sonntagvormittag, am 8. Dezember zusammen mit Baheerullah Jabarkhil, meinem jungen Schützling aus Afghanistan, besuchen und ihm das neue Buch des von uns beiden sehr geschätzten shiitischen Iraner Navid Kermani "Morgen ist da" übergeben, worüber sich Andreas sehr gefreut hat. Im Nachhinein erscheint es mir, dass Andreas mit dem lauten Lesen des Buchtitels „Morgen ist da“ seine Ahnung zum Ausdruck brachte, dass eben jetzt die Ewigkeit, der Morgen, der da ist, für ihn jetzt begonnen hat.

Andreas war ziemlich erschöpft, wie er selbst sagte, nachdem er gerade aus dem Gemeindegottesdienst in der Martin-Luther-Kirche zurückgekommen war. „Ich wollte unbedingt in den Gottesdienst gehen, weil dort die Namen der Toten des vergangenen Jahres vorgelesen wurden, also auch der meiner Frau. Andreas entschuldigte sich, dass er nicht ganz auf der Höhe sei - „obwohl ich ja wusste, dass Ihr kommt“. Er benötigte das Gerät, das ihm das Atmen erleichterte. Erstaunlich war für mich, mit welcher Aufmerksamkeit, verschiedene Fragen stellend, sich Andreas meinem jungen afghanischen Begleiter zuwandte. Ich sah plötzlich den großen Pädagogen, Pionier und Nestor der Sonderpädagogik, lebhaft vor mir sitzen. In jeder Lage, also auch in der der Todesnähe, sah er den ganzen Menschen vor sich stehen oder sitzen und erkundigte sich nach dem Woher und dem Wie geht es weiter? des 20-jährigen Flüchtlings aus Afghanistan. „Aus welcher Gegend Afghanistans stammen Sie…. Sind Sie Pashthun? Oder zu welcher der Volksgemeinschaften gehören Sie?“ Ich war über die Zweisprach innerlich sehr bewegt.

Wie ich die Todesnachricht lese, läuft gleichzeitig im ZDF die Diskussionsrunde mit Markus Lanz. Noch im letzten Lesekreis war ich mit Andreas einig, dass Markus Lanz einer der besten TV-Journalisten ist. "Lanz bohrt und bohrt und holt buchstäblich die letzten Tiefengründe aus dem Menschen heraus, mit dem er das Gespräch führt."  Wiederum wurde mir deutlich, wie sehr der 92-Jährige bis zu seinem letzten Atemzug sich hellwach mit aktuellen Geschehnissen und Nachrichten beschäftige.

Es war für mich ein Glück, durch den Kreisauer-Lesekreis Andreas Möckel persönlich kennen und schätzen lernen zu dürfen. Andreas gehört für mich zu den ganz großen Persönlichkeiten, denen ich begegnen durfte und die mein Leben – mein intellektuelles und spirituelles Leben - - beeinflusst und geprägt haben. Ich verdanke Andreas Möckel viel, vor allem durch seine ökumenische und interreligiöse Offenheit und Tiefgründigkeit.

Ich glaube zweifelsfrei, dass Andreas nun in der Welt lebt, unsichtbar für uns und doch unter uns gegenwärtig, in der seine Hoffnungen und Visionen sich erfüllen.

Klaus Beurle