Prof. Dr. E. Tiefensee/Erfurt

Christsein inmitten religiöser Indifferenz

Was ist an Tiefensees Fakten und Thesen neu für mich? Was ist anregend, was provozierend?

 

Vor dem Hintergrund der Erfahrungen und Perspektiven von Sr. Karoline.. Wilhelm Bruners… Bischof Jung… Gotthard Fuchs … lese ich den Vortrag aufmerksam:

Was ist das Anliegen, was die Forschungs- und Erklärungsabsicht Tiefensees?

Es geht ihmh um Christsein in einer religiös indifferenten Gesellschaft.

1. Wichtig erscheint mir die aufgezeigten Unterscheidungenzwischen

Theisten Atheisten Agnostiker Areligiösen und zwischen

naturalistischen fatalistischen nihilistischen spirituellen oder religiösen Welt- bzw. Daseinsdeutungen - „atheistischer Halbkreis“ in Europa.

Vor diesen Unterscheidungen kommt Tiefensee zu ungewöhnlichen Einsichten:

- Heutige „neue“ (nachchristliche) Heiden sind „religiös unmusikalisch“ oder „religiös indifferent“.

- Auch ohne Gott lässt sich gut leben. Jugendlicher: „Weder noch, halt normal“.

- Religiöse Indifferenz führt nicht zu Werteverfall in moralischen/sozialen Bereichen.

2. Neu ist für mich Tiefenbachs Verständnis von Ökumene:

Auf den „kalten“ Pluralismus (gegenseitige Abschottung nach dem Dreißigjährigen Krieg) folgte der „heiße“ Pluralismus

(1) Durch gesellschaftliche Umbrüche begünstigt begann langsam ein „Mit- und Durcheinander“ der Religionen, die Ökumene zwischen den christlichen Konfessionen entstand: „Ökumene der ersten Art“.

(2) Der interreligiöse Dialog begann mit der Gegenwart von Muslimen und anderer Nichtchristen in christlichen Gesellschaften: „Ökumene der zweiten Art“.

(3) Nach den Weltkriegen bezeichnen sich westliche Menschen, von Wissenschaften und Vernunft gelenkt, als a- oder nicht-religiös. Das Zusammenleben mit Areligiösen wird selbstverständlich: „Ökumene der dritten Art“.

3. Mission neu verstehen

Christentum versteht sich nicht (mehr) von der Mehrheit her, sondern als

(1) Minderheit: „Salz der Erde“: Salz ist Gewürz, aber kein Grundnahrungsmittel. Christentum braucht das nicht-christliche Milieu, um seine Mission zu erfüllen. Es „kann“ nicht sein, dass alle Menschen gläubige Christen sind. Da stimmt etwas nicht.

(2) Impulse setzen, auch wenn „das uns nichts bringt.“ „Absichtslose Mission“. Keine Eroberung, keine Mitgliederwerbung, keine Ausweitung des kirchl. Einflusses

(3) Den Glauben vorschlagen, nicht indoktrinieren. Sich jegliche Nostalgie verbieten, keine Rückkehr der Volkskirche – nicht zurück, sondern nach vorne schauen.

(4) Vorsichtige Neugier statt Aggressivität. Neuland entdecken. Kernkompetenz transparent machen statt Kirchen-Interna pflegen. Gott und Welt – untrennbar.

4. Ökumene der dritten Art - konkret wie geht das?

(1) Respekt vor der Andersheit der Andern. Geistesverwandtschaften entdecken.

(2) Wissen, was man will: Kirche ist keine Wertegesellschaft.

(3) Die eigene Veränderungsbereitschaft fördern.

(4) Beispiele für das Zusammenleben u -wirken mit religiös Indifferenten im Osten .