Grüße an Imam Zahir Durakovic, die Moscheegemeinde in der Zellerau und an alle, die zum heutigen Gedenktag gekommen sind!

Samstag, 11. Juli 2020 

Gedenkstunde der Opfer des Völkermords in Srebrenica vor 25 Jahren am „Denkmal der Versöhnung“ Wilhelm-Schwinn-Platz

 Wieder seid Ihr zum „Platz der Versöhnung“ gegangen. Es ist ein Denkort und ein Mahnort für Versöhnung und Frieden, ein zu Stein gewordener Weg der Versöhnung.

Alle, die bisher eine Tafel hier gelegt haben wissen um die Notwendigkeit und die Kraft der Erinnerung. Es gibt keinen Schlussstrich unter das Erinnern, denn wir können auch keinen Schlussstrich unter die Geschichte setzen, weder unter die des 1. Weltkrieges oder des 2. Weltkrieges noch unter die drei Jahre des Bosnienkrieges, der vor 25 Jahren mit dem Völkermord von Srebrenica endete.

Auf Städtischem Platz, hier vor der Evang.-luth. Dekanatskirche St. Stephan haben wir am 9. Juli 2016 die 18. Boden-Mosaikplatte für Bosnien eingesenkt. (PRASTANJE).

Heute sind wir in Verbundenheit mit vielen Religionsvertretungen wieder hier. WARUM?

 

1. Wir gedenken der Toten, der Mordopfer von Srebrenica vor 25 Jahren.

 

2. Wir gedenken aller Toten des Bosnienkrieges, Männer, Frauen, Kinder, die unschuldig ihr Leben verloren, nachdem vor 28 Jahren der Krieg begonnen hatte.

 

3. Wir gedenken aller Überlebenden, die bis heute mit traumatischen Erfahrungen leben müssen, deren Wunden offen sind und nicht heilen können.

 

4. Wir gedenken bewusst als Christen und Muslime, die in Würzburg leben, der zahlreichen gegenwärtigen Kriege und der unzähligen Flüchtlinge, deren Heimat, Lebensgrundlagen und Hoffnungen zerstört wurden.

 

Es bleibt uns als Auftrag und Verpflichtung, die Hoffnung wachzuhalten und uns solidarisch zu engagieren für eine Welt ohne Waffen und ohne Gewalt. Es bleibt uns aufgetragen, die Hoffnung auf Versöhnung zwischen Menschen verschiedener Ethnien und Religionen in Bosnien und anderswo weiterzutragen. Jeder, aber auch wirklich jeder Mensch hat eine von Gott gegebene Würde. Wir wollen in uns und unter uns den Respekt vor aller Andersartigkeit von Menschen wachhalten und vertiefen.

 

Versöhnung setzt die Auseinandersetzung mit der gemeinsamen, schrecklichen Vergangenheit voraus, in der es Täter und Opfer gegeben hat.

 

Versöhnung heißt ohne Beschönigung auf das Geschehene zu schauen und die wahren Ursachen und Hintergründe vergangener Grausamkeiten zu erkennen.

 

Versöhnung verlangt das Eingeständnis von Schuld, Entschuldigung und auch Entschädigung.

 

Versöhnung braucht die Bitte um Verzeihung

 

Versöhnung setzt die Bestrafung für Verbrechen durch öffentliche Gerichte, z. B. für Anführer und Befehlsträger voraus.

 

Wenn all dies ausbleibt, gibt es weder Versöhnung noch Frieden. Öffnen wir unsere Herzen und lassen wir uns vom Geist der Wahrheit und der Liebe, wie Mahatma Gandhi das Geheimnis des Lebens nannte, führen.

 

 

Doch was kann ich kleines Geschöpf zu all dem beitragen, werden Sie fragen?

Der Blick in die Vergangenheit öffnet uns die Augen für die Zukunft. Es ist in vielen Menschen, vor allem unter den Jungen, die unzerstörbare Hoffnung und Sehnsucht nach einem Leben in Frieden und Harmonie.

„Nur Liebe - nicht Hass kann die Welt heilen“, sagte der große jüdische Musiker Jehudi Menuhin.

Gott sei Dank gibt es Menschen, vor allem in der jungen Generation, die sich von dieser Wahrheit leiten lassen, um dadurch die Zukunft unseres Planten zu sichern und gestalten zu können.

Durch Hass, Vergeltung, Gewalt, Zerstörung und Krieg wird unsere Welt zu einer Hölle. Bleiben wir trotz allen Unterschiedlichkeiten und Gegensätzlichkeiten suchend, aber unbeirrt auf dem Weg zu einer menschenwürdigen und gottgefälligen Welt.

 

Wir können als Menschen aufeinander zugehen und einander begegnen, ohne die dunklen Seiten unseres Daseins zu leugnen oder zu verstecken. Wir brauchen jedoch Hilfen und Beratung zur Konfliktbearbeitung.

 

Es tut dabei gut und ist heilsam, wenn wir Freunden und Feinden unsere Lebensgeschichten erzählen, einander geduldig zuhören und den andern ausreden lassen. Gewaltfreie Kommunikation und gewaltfreies Miteinander setzen voraus, dass keiner überredet oder besiegt wird, sondern dass sich alle auf das Gemeinwohl und den Frieden aller auf den Weg machen. Ein Weg ohne Ende – ein Weg, der aber ein ZIEL hat.

 

Der Völkermord von Srebrenica muss uns auch 25 Jahre danach aufrütteln, um das NIE WIEDER! endlich in die Tat umzusetzen. Dazu brauchen wir keine Aufrüstung, keine Waffen. Stellvertreterkriege und Abschreckungsmaßnahmen führen zu unsäglichen Leiden unzählbarer Menschen. Friedenserziehung und Tausende von kleinen Schritten sind nötig, um den Weg für Gerechtigkeit, Versöhnung und Frieden zu bereiten.

 

Deshalb haben wir Christen nach unserem Besuch der Gedenkstätte Srebrenica ein Friedensgebet verfasst, das Pfarrer Dr. Klaus Beurle in unserem Büchlein „Brücken der Begegnung“ (S. 104) niedergeschrieben hat

 

Leider kann ich heute am „Platz der Versöhnung“ nicht da sein. Ich hatte einen häuslichen Unfall mit mehreren Knochenbrüchen und grüße alle von zuhause aus im stillen Gedenken und mit der Sprache eines offenen Herzens.

Johanna Falk - in Zusammenarbeit mit Pfr. Klaus Beurle

siehe auch:

https://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/erinnerung-an-voelkermord-als-zeichen-der-versoehnung;art735,10470337

Kontakt

Dr. Klaus Beurle

Pleicherpfarrgasse 10
97070 Würzburg
Tel / Fax: 0931/45258898
e-mail:
klaus-beurle(at)t-online.de