5 nach 12

 

VERINNERLICHTE LANDSCHAFTEN

5 nach 12 – Meditation im Würzburger Dom - 10. Juni 2013

 

Es gibt Menschen, die glauben und doch nicht glauben. „Ich glaube, dass ich nicht gläubig bin“, schreibt eine Dichterin unserer Tage. Sind junge Menschen von heute wirklich so gottlos, wenn sie sich extrem weltlich geben ohne Interesse an der Religion? Die Zahl der Christen, die das „Vater unser“ nicht kennen, nimmt zu. Die fatalen Folgen eines seelisch leeren und haltlosen Lebens sind uns bekannt. Doch hungern Menschen nicht nach einem Leben, das über banale und oberflächliche Dinge hinausgeht? Gewiss, wenn alle nur noch von Genuss und Gewinn, von Event und Fete reden, ist es nicht leicht, an das Unsichtbare und Unfassbare zu glauben.

Der vielen bekannte amerikanische Sänger und Gitarrist Bruce Springsteen bekannte einmal: „Seit meiner Jugend war ich kein Kirchgänger mehr. Aber je älter ich wurde, desto mehr merkte ich, dass meine Musik belebt ist von der Bildwelt der katholischen Kirche… Es gibt dort eine machtvolle Welt sprechender Bilder, die in mir lebendig sind… Für mich ist das eine unglaublich innerliche ´Landschaft´. Mit zunehmendem Alter wurde ich demgegenüber immer offener. Ich denke, dass ich diese einzigartige ´Landschaft´ geistig geerbt habe und dass ich daraus künstlerisch etwas Eigenes machen darf.“

Viele Menschen lehnen heute einen dogmatischen, nicht hinterfragbaren Glauben ab; Übertrieben Frommes und religiös Erstarrtes erscheinen ihnen fremd und unverständlich. Und dennoch - sie mögen sich weit entfernt haben von der Kirche – entdecken manche plötzlich wieder jene „einzigartige innere Landschaft“, von deren Bildern und Gleichnissen ihr Menschsein und ihr alltägliches Tun leben.

Menschen gehen verschieden Wege. Wer gottlos oder gläubig ist, ist für viele kein Thema, sie wissen es selbst nicht. Sie suchen oder leben einfach vor sich hin und manchmal stoßen wir auf Bilder und Symbole, die uns vertraut sind und unsere „inneren Landschaften“ aufblühen lassen. „Mit dem Reich Gottes verhält es sich wie mit einem Senfkorn…“ Von winziger Gestalt ist es, doch es wächst zu einem riesigen Baum heran, in dem die Vögel des Himmels nisten. Klaus Beurle