5 nach 12

5 nach 12 im Dom zu Würzburg 1. Mai 2013

 

Blühen

 

Blühen, blühen – nicht streiten, nicht demonstrieren, nicht fromm sein, nicht Unrecht anklagen…nein: all das nicht, obwohl dies alles auch notwendig ist, damit unsere Gesellschaft gerechter und unser Leben menschlicher werden kann…

 

 

Doch heute am 1. Mai, am Fest der Schutzpatronin Bayerns und des Patrons der Arbeiternehmer und Arbeitnehmerinnen, wäre es nicht gut, darüber nachzudenken, was es bedeutet, einfach durch unser Leben wie eine Blume zu blühen? So, wie es jetzt die Natur tut, die ihre Wintersaat aufgehen lässt: Blumen beginnen zu blühen, immer zahlreicher zeigen Blumen, Bäume, Sträucher ihre bunten Farben.

 

Würzburg ist bunt – dafür gehen heute viele Menschen auf die Straße… Ja, das Leben, die Gesellschaft ist bunt und nur so erträglich. Die braune Farbe, die für Menschenverachtung und Intoleranz steht, stört in diesem Farbenregenbogen. Man muss sehr aufpassen, dass sie sich nicht verselbständigt, vervielfältigt und andere Farben zerstört.

 

Blühen bedeutet, offen zu sein für Augenblicke des Lichts. So versteht Thomas Carlyle (1795 – 1881), der schottische Essayist und Historiker, menschliches Blühen. Offen sein für das göttliche Licht, das Leben gibt, unverdientes Leben.

Gott ist nicht einfarbig, er ist nicht braun, nicht schwarz, nicht grün – Gott ist vielfarbig, faszinierend vielfarbig schön. Mystiker und Mystikerinnen aller Religionen haben Gedichte über die Schönheit Gottes geschrieben und Oden darüber gesungen. Sie wissen besser als unsere Vernunft, wie schön Gott ist. Er ist so schön, dass sich Menschen in ihn verlieben können.

 

Blumen können duften, sie können aber auch geruchlos sein. Wichtig für den Kreislauf der Natur ist es, dass Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten von ihnen angezogen werden, um ihnen Nahrung zu geben: Nahrung für ihr Leben. Mahatma Gandhi sagte, er wünsche sich von Christen nichts anderes, als dass sie blühen –nicht andere bekehren, sondern duften und blühen wie Blumen. Die Hungrigen sagen, dass Menschen für sie wichtig sind, die ihnen Nahrung geben. KB