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Geduld und Ruhe in Seinem Licht

 

„Allein weil Gott ein armer, elender, unbekannter, erfolgloser Mensch war, will sich Gott seither allein in der Armut, im Kreuz finden lassen“. Diesen Satz schrieb ein Mensch, der das Elend der Menschen kannte und die Ohnmacht des Kreuzes erfahren hatte: Dietrich Bonhoeffer. 1906 wurde er in Breslau geboren, 1945 im KZ Flossenbürg hingerichtet. Der evangelische Theologe, der zur Bekennenden Kirche im Dritten Reich gehörte, leistete bis zur letzten Konsequenz Widerstand gegen das menschenverachtende System des Nationalsozialismus.

Doch bis heute wirken sie mitten unter uns weiter, die gewalttätigen Wahnvorstellungen der Nazis, in Gestalt von sog. Neonazis. Es ist daher wichtig, sich immer wieder auf Bonhoeffer und andere Widerstandkämpfer zu besinnen. Es bedarf immer noch oder immer mehr des Widerstands aus Glauben.

Je mehr die Jahre des erfolglosen Widerstands gegen die Nazis dahingingen, desto mehr wurde sich Bonhoeffer bewusst: es gibt nur ein Licht in der Dunkelheit, nur eine Lebensquelle, die nicht versiegt, nur eine Liebe, die nie aufhört. So konnte er in sein Tagebuch schreiben, was heute nicht allzu viele bereit wären, in ihr Tagebuch zu schreiben, sofern sie ein solches denn führen:

                    „In mir ist es finster, aber bei dir ist Licht,

                    ich bin einsam, aber du verlässt mich nicht,

                    ich bin unruhig, aber bei dir finde ich Ruhe,

                    in mir ist Bitterkeit, aber bei dir ist Geduld,

                    ich verstehe deine Wege nicht,

                    aber du weißt den rechten Weg für mich“.

Dies hat Dietrich Bonhoeffer für uns niedergeschrieben, weil er sich im Klaren war, dass wir nur in Grenz- und Notsituationen begreifen, wo Licht und wo Dunkelheit ist, wo Liebe und wo Hass ist.