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Neumünster-Würzburg, 15. Sept 2012

                         In sich ruhen – in der Mitte der Welt

 

Das Thema der heutigen Besinnung lautet: In sich selbst ruhen in der Mitte der Welt. Dabei hilft uns Dag Hammarskjöld, der ehemalige Generalsekretär der Vereinten Nationen. Was er gelebt und gewagt hat, stammte aus einem beispielhaften In sich ruhen in der Mitte der Welt. In diesen Tagen jährt sich zum 51. Mal der Tag, an dem sein Dienstflugzeug bei der Rückkehr aus dem Kongo abstürzte.

1953 hatte Hammarskjöld am Tag seiner Amtseinführung folgendes Wort aus der Nachfolge Christi von Thomas von Kempen in sein Tagebuch geschrieben: Das Leben der Christus Nachfolgenden „ist gegründet und getragen von Gott, und fern liegt ihnen jeglicher Stolz; sie rühmen sich nicht, und all ihr Tun geschieht zum Ruhme Gottes allein“.

Von seiner Schulzeit an war der junge Schwede Klassen- und Studienprimus. Schon mit 30 Jahren wurde er zum Staatssekretär ernannt. Als auf der politischen Weltbühne sich Amerika und Russland mitten im Kalten Krieg befanden, wollten die beiden Großmächte einen möglichst schwachen Generalsekretär der Vereinten Nationen wählen. Die Wahl fiel auf den intellektuell glänzenden, zugleich bescheidenen Schweden. Die Großmächte hatten sich aber getäuscht. Zunehmend geriet Hammarskjöld zwischen die Mühlesteine der Großmächte. Unbeirrt mühte er sich in Krisensituationen, die den Weltfrieden bedrohten, eine gerechte Lösung zu finden: in der Suezkrise, in der Ungarnkrise. Besonders war ihm daran gelegen, die schwachen Nationen zu schützen.

1961 reiste er in den Kongo, um die Abspaltung der rohstoffarmen Provinz Katanga zu verhindern. Auf dem Rückflug stürzte seine Maschine in der Nacht auf den 18. September 1961 ab – aus bis heute ungeklärten Gründen. Bereits 1953 hatte er in sein Tagebuch Zeichen am Weg geschrieben: „Dem Vergangenen: Dank, dem Kommenden Ja.“ Vom Glauben seiner pietistischen Mutter tief geprägt, liest sich folgendes Wort aus Zeichen am Weg wie das Credo seines Lebens: „Einfachheit heißt, die Wirklichkeit nicht in Beziehung auf uns zu erleben, sondern in ihrer heiligen Unabhängigkeit. Einfachheit heißt sehen, urteilen und handeln von dem Punkt her, in welchem wir in uns selbst ruhen. Wie viel fällt da weg! Im Zentrum ruhend begegnen wir einer Welt, in der alles auf gleiche Art in sich ruht.“