Predigt: Geist und Fleisch – Toleranz und Kompromisslosigkeit

(Gal 5, 1-18/Luk 9, 51-61) - 30 Juni 2013, Zellerau St. Elisabeth und Heilig-Kreuz

 

  1. Es gibt Menschen…

…die kompromissbereit sind, es gibt andere, die sind es nicht, die Kompromisslosen. Es gibt Menschen, die Ansprüche haben und es gibt andere, die ziemlich anspruchslos leben. Diese Woche habe ich einen Freund in Passau besucht, wir kennen uns seit unserer gemeinsamen Schulzeit: er ist gelähmt, sitzt im Rollstuhl, bei ihm lebt in der Wohnung nebenan seine einzige Schwester, auch gelähmt, auch im Rollstuhl. Wir haben stundenlang miteinander gesprochen und uns aneinander erbaut. Von beiden kein Wort der Klage, keinerlei Ansprüche. Sie nehmen die Dinge, wie sie sind, in tiefem Schicksals- und Gottvertrauen.

 

  1. Geist und Fleisch

In den heutigen Schrifttexten geht es um Gegensätze, wie es deren viele gibt in unserem Leben: es geht um den Gegensatz von Geist und Fleisch, um den Gegensatz zwischen Jesus und seinen Jüngern. Paulus spricht von den Menschen, die nach dem Fleisch leben. Er verteufelt damit den menschlichen Leib nicht, wie manchmal angenommen wird. Doch er weiß ganz genau: es gibt Menschen, die nur Ansprüche stellen und die um ihre eigenes Ich kreisen - das nennt Paulus „Begierden des Fleisches“. Doch es gibt auch Menschen, die sich vollkommen von einem anderen Geist, vom Geist Gottes leiten lassen.

  1. Jesu-Geist und der Geist seiner Jünger

Auf dem Weg nach Jerusalem kommt Jesus mit seinen Jüngern in ein samaritisches Dorf, deren Einwohner nicht zum Volk der Juden gehören.. Die Einwohner von Samaria wollen Jesus und seine Jünger daher nicht aufnehmen. Das ärgerte einige seiner Jünger, sie wollen Feuer vom Himmel herabrufen und das Dorf zerstören. Doch Jesus sieht ihnen in die Augen und verwehrt es ihnen. Er kennt keine Feindschaft, keine Ausgrenzung, keine Ablehnung.

  1. Jesu Kompromisslosigkeit

Andererseits ist Jesus kompromisslos, wenn es um Menschen geht, die er zu sich gerufen hat oder die ihm nachfolgen wollen. Wer nach rückwärts schaut und sich vor allem anderen um Familienangelegenheiten kümmert, der taugt nichts für das Gottes Reich, stellt Jesus fest. Jesus befiehlt uns nicht, aber er sagt, wo es lang geht, wenn jemand mit ihm gehen will. Nach vorne und frei von familiären Bindungen. Nur so können wir mit Jesus das Reich Gottes bezeugen und dessen Kommen vorbereiten.

  1. Was bedeutet das für uns?

Jesu Gesetz ist kein ehernes Gesetz, er zwingt niemanden unter seinen Willen. Jesus macht uns aber klar, was für das Gelingen eines Lebens in Freiheit notwendig ist: Anspruchslosigkeit, Friedfertigkeit, Kompromisslosigkeit. Papst Franziskus hat dies aller Welt seit 100 Tagen immer wieder gesagt:: „Kreist nicht um euch selbst, auch nicht um die Kirche. Seid offen, geht nach draußen, vor allem zu den Armen. Handelt wie freie Menschen.“