Adieu, liebe Ursel!

 

Liebe Familie Bartsch, liebe Freunde und Freundinnen von Ursel Bartsch, liebe Trauergemeinschaft,

unerwartet haben wir uns zusammengefunden, um von Ursel, Abschied zu nehmen. Liebe Ursel, Du warst ein wunderbarer Mensch und Du wirst es für uns bleiben in Deiner Weise. Im Namen des ÖAK, des Ökumenischen Asylkreises, darf ich Dir Dank sagen für so vieles. Du warst in Deiner geliebten Familie, in Deiner Pfarrgemeinde ebenso zu Hause wie in der GU, in Deiner Flüchtlingsfamilie.

 

Du hast Dich mit uns zusammen in oft mühseliger und entmutigender Arbeit für die Flüchtlinge eingesetzt, die von Hunger und Elend, von Verfolgung und Unterdrückung getrieben vor den Toren unserer Stadt gestrandet sind. Zu ihnen warst Du wie eine Schwester, der nichts zu viel war, wenn es um Leben und Zukunft einzelner Flüchtlinge und die Asylpolitik unseres Landes ging.

Du warst so etwas wie die Seele unseres ÖAK. Wir haben Dir noch von der letzten ÖAK-Plattform aus gute Besserung gewünscht in der sicheren Hoffnung, dass Du bei der nächsten Sitzung wieder bei uns sein wirst. Nun hatte Gott einen anderen Plan; Du wirst in Deiner sterblichen Gestalt nicht mehr zu uns zurückkehren.

Du hast den ÖAK zusammen mit uns Schritt für Schritt auf- und ausgebaut. Unsere Klausurtagung auf der Benediktushöhe hast Du tatkräftig mitgestaltet und mit uns die Grundlinien für unsere Arbeit 2013 festgelegt. Wir haben um Details, um Formulierung gerungen und, wenn nötig, auch ehrlich miteinander gestritten. Aber Du hast uns immer ermutigt. Wenn ich aufgeben wollte, hat mich Deine Durchhaltekraft vor dem Rückzug bewahrt.

Ich denke an die Friedensdekade in der Marienkapelle, wo Du mit uns eine Meditation zum Thema Mutig für Menschenwürde gestaltet hast. Dein Ringen um glaubwürdige Worte, um eine Sprache, die die Menschen von heute verstehen ist in meinen Niederschriften festgehalten. Wenn wir in wenigen Tagen die Sozialministerin unseres Bundeslandes treffen werden, wirst Du durch Eva Peteler und durch mich zur Ministerin sprechen. Wir werden Deine Stimme nicht mehr hören und dennoch wirst Du fort und fort zu uns sprechen.

Du warst ein aufrichtiger Mensch, ein freier, wahrhaft ökumenischer Christenmensch, unseren Kirchen um einiges voraus. Nun bist Du dort, wo sich Dir der Himmel geöffnet hat und wo alle Menschen eine Heimat haben. Niemand ist dort noch auf der Flucht, niemand ist dort heimatlos. Die Ehrenplätze nehmen aber die Heimatlosen ein, die Hungernden und Gefolterten, die vor Despoten Geflüchteten, die Vertriebenen.

Wir danken Dir sehr für Dein Leben und für Deine Gaben, liebe Ursel. Du hast uns mehr gegeben, als wir Dir geben konnten. Unsere Trauer ist groß, aber unsere Dankbarkeit und unsere Hoffnung sind größer. Unser Glaube gründet in dem, der Tod und Unrecht, Schuld und Ungerechtigkeit überwunden hat. Seine Liebe ist grenzenlos. Hab Dank, liebe Ursel. Leb wohl, adieu!

Unterdürrbach, am 1.März 2013, Klaus Beurle für den ÖAK Würzburg