Predigten 2012

Christkönig – Bruder aller

Patrozinium Pfarrei Christkönig Schweinfurt 

25 November 2012

 

Wer feiert heute noch Christkönig? Sie, hier in Schweinfurt, weil Ihre Pfarrkirche auf den Namen Christkönig geweiht wurde. Sie feiern heute ihr Patrozinium, festlich, so gut es eben geht, aber aufrichtig und sicherlich ehrlich. Schön, dass Sie da sind. Ich gratuliere Ihnen, dass Sie feiern, ich gratuliere und danke denen, die den Festgottesdienst vorbereitet haben und allen, die den Gottesdienst jetzt mitgestalten. Parallel zu uns feiern unsere evangelischen Mitchristen den Ewigkeitssonntag.

Doch wer feiert heute noch Christkönig? Eben Sie, die Sie da sind. Aber die andern, die nicht da sind – wann und was feiern sie? Doch Christuskönig – sagt uns das heute noch etwas? Könige – sind sie nicht passé? Nein, es gibt immer noch einige – dem Bekenntnisgrad herausragend Königin Elisabeth II. Man könnte noch einige andere Könige und Königinnen nennen, die von Teilen ihres Volkes hoch verehrt werden. Aber die heutigen Generationen denken doch: die Zeit der Könige ist vorbei.

Jedenfalls gab es eine Zeit – am Anfang des letzten Jahrhunderts -, als die Christen sagten und glaubten: unser König heißt Christus, ihn haben wir zum König erkoren, nachdem die historischen Königs- und Kaiserreiche nach und nach untergegangen waren. Die Völker hatten ihre Erfahrungen mit den Königen gemacht: es gab gute und schlechte Könige, Könige, die Einheit und Schutz garantierten, aber auch Könige, die menschenverachtend mit pompösen Glanz ihre Völker regierten. Doch alle Könige starben einmal, alle Königshäuser gingen einmal unter. Nicht so der König Christus, das Königsreich Christi: es besteht immer noch und er regiert immer noch. Denn er ist ein König ganz anderer Art, ein zeitloser und in der Zeit sanftmütig und leise wirkender Herrscher. Damals antwortete er Pilatus, der ihn in eine Falle locken wollte: „Du sagst es: ich bin ein König“. Pilatus wusste Bescheid, aber er begriff nicht. Das Göttliche des „Königs der Juden“ und des Königs der Christen ist doch dies: dass er gekommen ist, nicht um zu herrschen, sondern um zu dienen, nicht um zu verurteilen, sondern um den Verurteilten Freiheit, den Hungrigen Brot, den Ungeliebten Liebe und den Sterbenden ewiges Leben zu schenken. Das ist wahrhaftig eine andere Art von Königtum, das zu feiern sich auch heute noch lohnt. Glückwunsch!

Und – wie wir wissen - dieser König wurde vom Mob, vom Volk ausgebuht und vom Volk und von den Hohenpriestern dem römischen Statthalter zu Verurteilung und Hinrichtung ausgeliefert. Kann ein König tiefer in den Dreck gezogen, stärker erniedrigt werden als Jesus, den sie über dem Kreuz spöttisch als „König der Juden“ bezeichneten? „Hilf dir doch selbst, wenn du König bist…“

Aber warum kommen so wenige, um dieses große Fest mitzufeiern? Warum bleiben so viele fern von der Feier des anderen Typs von König? Die Kirchenfernen haben – so hoffe ich - ihre Gründe, nicht zu kommen; die meisten aber haben – so befürchte ich - keine Gründe: sie wollen mit dem Strom schwimmen, der Steuermann ihres Lebensschiffs heißt „Geld“ und „Wohlstand“. Geld ist für sie wie ein Gott, für den sie alles tun und einsetzen. Wer viel Geld hat fühlt sich wie ein Gott und wie ein König. Es interessiert die Mehrzahl in erster Linie das, was ihnen selbst etwas bringt. Das aber reicht nicht aus, um ein sinnvolles und vor allem ein verantwortliches Leben zu führen.

Wir leben in einer wunderbaren und in einer verrückten Welt. Wunderbar – weil es nicht nur unsere wunderschöne Natur, begeisternde Musik, unglaubliche Erfindungen gibt, sondern weil es immer wieder wunderbare Menschen gibt, die Zeugnis geben von der Wahrheit. Aber es gibt mitten in unserer Gesellschaft eben auch verrückte, verblendete Menschen – Menschen, die zu nichts mehr Lust haben, denen das Leben nichts mehr bedeutet, die sich jeden Blödsinn erlauben und am Schluss andere und sich selbst in die Luft sprengen.

Vieles hat dies zu tun mit den Idealen und Idolen, denen die Menschen heute nachlaufen. Was früher der König sagte: das galt. Was heute der Superstar sagt, das gilt. Ich bin Fußballfan. Ich kenne meine Stars und bewundere sie. Andere haben Film-, Pop-, Show-Star. Das ist ok. Aber von meinen Idolen oder Stars kann ich persönlich nichts erwarten. Für meine Lebens-entscheidungen, für meine Alltagsnöte und -freuden können sie mir nichts sagen. Anders der Superstar Jesus Christus. Er ist für mich die unerreichbare Nummer eins, weil er mir in allen Dingen Vorbild ist, weil er mir Leitlinien gibt, Halt und Kraft gibt er mir, wenn es darauf ankommt. Wenn wir aber sehen, in welchem Ausmaß heute Gott und die christlichen Traditionswerte verdrängt oder in den Schmutz gezogen werden, dann bekomme ich das Grausen. Wo es kein Oben und kein Unten, keine heiligen Leitbilder mehr gibt, da kommt nicht das Reich Gottes zu uns, sondern die Unterwelt.

Christ in der Gegenwart, eine tolle Wochenzeitschrift, beschreibt beispielsweise die Sinnlosigkeit des schon Wochen vor dem Ende des Kirchenjahrs angekurbelte Weihnachtsgeschäft so: Statt vom Christusfest Weihnachten zu sprechen, spricht man in unseren Kaufhäusern nur noch von der „Märchenhaften Winterzeit“ und bietet „Winterkinder…leuchtende Weidenherzen, Naturkränze, Tannenzapfenkerzen“ an. Keine Spur mehr von christlichen Symbolen. Wir werden so sehr von Fremdmächten gesteuert, dass uns Hören und Sagen vergeht. Jesus ist aber keine Fremdmacht, sondern eine „Hausmacht“. Er will bei uns wie ein Freund einkehren. Er will König, Star, Licht für unsere Herzen und für unser Land sein. Er ist ein unaufdringlicher, sich selbst hingebender Weltenherrscher.

Das so wichtige Vatikanische Konzil deutet die Königsherrschaft Christi vorrangig als eschatologische, endzeitliche Gottesherrschaft. Richtig: denn er ist kein irdischer, zeitlicher König. Aber wir wollen trotzdem jetzt schon etwas von seinem Königsein, seiner Königsherrschaft erfahren. Wir erfahren es in der Tat auch dort, wo Menschen in innerer, königlicher Freiheit der Außenlenkung und dem Sog der Werbungen widerstehen. Menschen leben uns die Liebe zu Christkönig vor, die in Verfolgung und Entbehrungen den Glauben an ihn nicht verlieren, die sich unerschütterlich an Ihm festhalten.

Unser Drang nach Wohlstand und Sicherheit hat uns neurotisch und neuheidnisch gemacht. Die Mehrzahl unserer christlichen Mitgeschwister leben heute wie Heiden – keine Zeit für Gott, keine Zeit für das Gebet. Gewiss, Heiden sind auch Menschen. Praktizierende Christen aber auch. Nur sind Christen Menschen mit einem Unterschied. Ihr Idol, ihre Leitfigur, ihre Faszination ist Christus, der Mensch wurde wie wir und sich zuallererst der Schwachen, der Ungeliebten und der Schuldig Gewordenen annimmt. Ich nenne Jesus daher nicht mehr „König“, sondern meinen göttlichen Freund, meinen und unseren göttlichen Bruder, Bruder und Erlöser aller. Ihn meinen wir, wenn wir Christkönig feiern: Christkönig Alleluja. Amen.