GOTTES WORT WIRKT VIELFACH WUNDERBAR

 

14.Okt 2007: 2 Kön 5,14ff; 2 Tim 2, 8ff; Lk 17, 11ff - Heidingsfeld, St.Laurentius/Hl.Familie

 

Von den heutigen Schrifttexten ausgehend stellen wir uns die Frage, was das Wort Gottes uns bedeutet und ob es in unserem Leben etwas bewirkt? Gemeint ist das Wort Gottes, das wir in der Schrift lesen, im Gottesdienst hören... und auch das ungeschriebene Wort Gottes, das seit Jesu Auferstehung überall wirkt.

 

In der Schrift ist heute von der heilenden Wunderkraft des Wortes Gottes die Rede. Manche sagen da: „Moment! Dass Gott so in unser Leben eingreift, dass er Kranke gesund macht – das mag es früher gegeben haben, aber heute doch nicht mehr...Heute verlassen wir uns doch auf die Medizin. Der Arzt sagt mir, ob ich geheilt werden kann oder nicht.“ Und doch schauen viele auf die Wunderheiler aus Amerika und anderswoher. Diese kündigen Massenkrankenheilungen an und versprechen das Blaue vom Himmel.

 

In der Schrift wird vom Wort Jesu häufig in einem anderen Sinn gesprochen: Menschen brachen „auf sein Wort hin“ auf – Jona, der Prophet, Matthäus, der Zöllner, die verzweifelten Jünger, die „auf sein Wort hin“ nochmals die Netze auswarfen – und siehe da: Voll waren sie! Unzählige Male haben Jesu und Gottes Wort menschliche Situationen grundlegend verändert. Das steht fest!

 

Unser Problem ist es, dass wir häufig die Ereignisse der Bibel so nehmen, wie sie damals geschahen und meinen, sie müssten sich heute wiederholen. Doch Pech gehabt, das sind fromme Wünsche! Manche Menschen steigern sich so sehr in ihre Gebetswünsche hinein, dass tatsächlich etwas geschieht. Aber oft sind es abstruse Dinge, die bei solchen Gebetssteigerungen herauskommen.

 

Wunder geschehen am häufigsten, wenn wir sie nicht erwarten. Wir sollen beten und Gott um Hilfe bitten...Gott ist immer da und hört, erhört uns auch, aber allermeist auf ganz andere Weise als von uns ausgedacht. Seine Wunder sehen wie Zufälle aus und Er selbst bleibt ganz im Hintergrund.

 

Naaman, der aussätzige Syrer, wollte Elisha, dem Propheten, für seine Heilung danken. Doch Elisha lehnte ab. Er, der Prophet, habe ihn nicht geheilt. Er habe ihm nur gesagt, er soll zum Jordanfluss hinabsteigen.

 

Bei den von Jesus geheilten Aussätzigen stellt Jesus fest, dass unter denen, die zu ihm zurückkamen, einer ein Nicht-Jude war, ein Samaritaner. Jesus lobte ihn zwar, wollte uns dadurch aber keine Lektion „Erziehung zu Dankbarkeit“ erteilen. Er wollte vielmehr darauf hinweisen, dass die Menschen seines eigenen Volkes ihn immer schnell vergessen. Nur einer, von denen, mit denen die Juden keine Gemeinschaft hatten, kam zurück. Er hatte den nicht vergessen, der seine Heilung ausgelöst hatte.

 

Wie also wirkt Gottes Wort heute unter uns und in uns? Offensichtlich nicht auf den Kanälen, die wir für die geeignetsten halten. Und nicht nur auf den Kanälen der Rechtgläubigen, sondern auch auf den Kanälen der Andersgläubigen! Oftmals sind die Menschen der andern Kanäle empfänglicher als die andern, die allzu gern auf ihre Besonderheit und ihre „Heilsvorteile“ sich berufen.

 

Doch wer hört Gottes Wort überhaupt noch in unserer lärmdurchsetzten und lärmverschmutzten Welt? Unzählige Stimmen dringen ja täglich an unser Ohr. Auf welche Stimme setzen wir unsere Hoffnung? Sind wir wirklich so schwerhörig und taub geworden für das Wort Gottes, wie Papst Benedikt sagt?

 

Richtig, das Wort Gottes wirkt nicht in gigantischer Weise wie am Beginn der Schöpfung: „Es war Finsternis. Da sprach er: Es werde Licht. Und es ward Licht.“ Nein, in derart dramatischer Weise wirkt Gott selten. Er wirkt im Stillen, unauffällig, von Mensch zu Mensch. Ich habe es öfters erfahren, wie Worte liebevoller Menschen auf mich heilend und befreiend gewirkt haben. Jüngst sagte mir eine hochbetagte, geistig-vitale Schwester: „Die Liebe Gottes zirkuliert Jahrzehnt für Jahrzehnt quer durch die Welt. Wenn plötzlich jemand aus der Ferne zurückkehrt und vor uns steht, merken wir es.“ Wie wahr ist es! Und dasselbe gilt für das Wort Gottes. Es zirkuliert durch die ganze Welt.

 

Ich zögere jetzt auf einige der großen Lauscher des Wortes Gottes hinzuweisen – auf Alfred Delp, Dietrich Bonhoeffer, Mutter Teresa, Dag Hammerskjöld u.a. Ihr ganzes Leben war von Gottes Wort durchdrungen. Nur dadurch konnten sie der Herrschaft von Tyrannen, der Armut und Kriegen ins Gesicht sehen und darüber hinaus den Menschen Hoffnung geben. Ich zögere..... weil dadurch der Blick für das Alltägliche des Wirkens des Wortes Gottes verstellt werden könnte – der Blick für das alltägliche Wirken Gottes durch alltägliche Menschen.

 

Wir brauchen das Wort Gottes, das uns reinigt und uns von unseren heutigen Aussätzen befreit: von: Extremismus und Sattheit, von Besitzgier und Nützlichkeitswahn, von Schwarzmalerei und Wahrsagerei. Die aussatzartige Lebensformel vieler lautet heute: „Ich tue, was alle tun und was mir selbst am meisten nützt“ Eine Lebenseinstellung, die wie Aussatz ansteckt und die natürlich zu Abschottung und Taubheit gegenüber dem Wort Gottes führt.

 

Paulus schrieb an Timotheus: „Ich bin wie ein Verbrecher gefesselt, - aber das Wort Gottes ist nicht gefesselt.“ Er war ein freier Mensch, durchdrungen vom Geistwort des Auferstandenen. Ähnlich „mit gefesselten Händen“ hat Alfred Delp im Angesicht seiner Henker Worte der Freiheit aus der Kraft des Wort Gottes geschrieben und dadurch vielen Menschen Perspektiven der Zukunft aufgezeigt.

 

Gottes Wort wirkt dort, wo wir es nicht erwarten. Die Mönche in Myanmar haben sich furchtlos den schussbereiten Soldaten entgegengestellt – ähnlich wie die Leipziger am 9. Oktober 1989. Die Mönche drehten ihre Bettelschalen um, als die Militärs ihre buddhistische Tagespflicht erfüllen wollten. Wortlos kehrten sie sich damit von den Unmenschlichkeiten des Militärs ab. Ihr stilles Wort wird eines Tages Gehör finden, auch wenn viele von ihnen jetzt wieder leiden und in Folterhaft sitzen. Jede Form der Solidarität mit ihnen ist eine dankbare Antwort auf das verborgen wirkende Wort Gottes.                                    klaus beurle