Das Göttliche im Herzen der Menschen

Eine adventliche Weihnachtsmeditation

Von Konsum und Kommerz zu Krippe und Kuhstall…

von Habgier und Hetze zu Hingabe und Heilung….

von Gewalt und Krieg zu Friede und Glückseligkeit…

Soweit der Dichter mit adventlich-vorweihnachtlichen Wahrnehmungen und Wegweisungen. Wollen wir uns nicht alle auf diesem Weg befinden… auf Wegen, die zur Krippe führen, wo wir Frieden und Glückseligkeit finden? Die Adventsver-heißung will uns sagen: es gibt Wege, die zu Glück und Lebenserfüllung führen. Bewegen wir uns auf Wegen in Richtung Krippe inmitten einer Unzahl von Menschen, die ganz andere Wege gehen und mit ganz anderem beschäftigt sind als mit Adventsverheißungen, und mit der Krippe?

Wir können es nicht glauben, dass die Botschaft des Advents, des Gottmenschen, der arm und machtlos in die Welt kam, so wenig Gewicht haben soll im Getriebe des Alltags und im Machtkampf der in der Welt Großen um Vorherrschaft, um Weltherrschaft. Aber es ist so, wie es schon immer war: die Masse der Menschen hat kein Interesse, keine Zeit, auf die Stimme der Wahrheit zu hören. Wir alle sind in Gefahr, uns einlullen zu lassen von den Versprechungen des Marktes, der Talkshows und der Meinungsmacher. Zum Glück gibt es immer noch und immer wieder Menschen, die frei und unabhängig bleiben und ihr Leben von innen heraus gestalten, indem sie sich von dem Geist führen lassen, der mehr verspricht als gesellschaftliche Erfolge und vergängliches Glück. Gehören wir dazu?

Wir sind oft nicht besser als die dem Glauben gegenüber Gleichgültigen oder Abweisenden: selbst zweifelnd, kraftlos, glaubensschwach. Und doch treibt uns etwas um, das uns sagt: Es kann doch nicht sein, dass die göttliche Botschaft wirkungs- und bedeutungslos geworden ist angesichts des Ausmaßes von Hass, Gewalt und Horrorszenen, über die wir täglich informiert werden. Worin liegt der Schlüssel dafür, dass wir adventlich hoffende Menschen bleiben und nicht angstvoll oder gar depressiv werden?

Da haben mir Begegnungen mit Menschen in Südasien – vor allem in Bangladesch und Myanmar – geholfen, die mir durch ihren Lebensmut und ihre Überlebenswillen zu erkennen geben, dass es in uns Menschen etwas gibt, das ich das Göttliche im Herzen der Menschen nenne. Der bengalische Mystiker, mit dem ich mich vertraut machte, spricht vom Menschen des Herzens, in dem er den Inbegriff des Lebens sieht.

Was aber ist das? Es ist keine schwammige Umschreibung dessen, was der uns anvertraute Offenbarungsglaube klar und eindeutig beschreibt. Das Göttliche im Herzen der Menschen ist der Lebensstrom, der von Gott kommend sich durch alle Fasern unseres Leib-Geist-Seele-Daseins hindurchfließt. Menschen in Haft oder Menschen auf der Flucht haben erfahren, was sie am Leben erhielt: ihr Vertrauen auf die göttliche Kraft in uns. Lalon spricht vom Mensch des Herzens, Ezechiel vom Herz aus Fleisch, das Gott gefällt, aber nicht das Herz aus Stein, Paulus sagt uns, dass es auf den inneren Menschen, nicht auf den äußeren Menschen ankomme, der islamische Theologe Khorchide spricht vom Atem Gottes, der dem Mensch bei seiner Erschaffung eingehaucht wurde und der in ihm atmet, bis er stirbt – das Göttliche im Innersten des Menschen, das Göttliche im Herzen der Menschen.

Der Glaube an das Göttliche im Menschen ist grundlegend für unser persönliches Leben: Wenn wir das Selbstvertrauen verloren haben und am Sinn unseres Lebens zweifeln, können wir durch das Bewusstwerden des Göttlichen in uns zurückfinden zum Urvertrauen und zum Sinn unseres Lebens. Das Göttliche ist in uns gegenwärtig, uns Halt gebend, unabhängig von dem, was wir geleistet haben oder wie wir von den Andern, von der Gesellschaft angesehen werden. Es ist unsere gottmenschliche Natur, die unserem Leben Würde und Wert gibt.

Die Erinnerung an das Göttliche im Herzen der Menschen ist ganz wichtig in unserer Gesellschaft, in der nach außen gerichtete, fassbare und messbare Werte die Oberhand gewonnen haben und vergöttlicht, verabsolutiert werden. Der Glaube an das Göttliche im Herzen eines jeden Menschen ist ganz besonders wichtig in Gesellschaften, in denen Rechtlosigkeit, nackte Gewalt und Angst das Leben der Menschen bestimmen. Das Göttliche im Herzen der Menschen entlarvt die Sinnlosigkeit und Perversion des menschenverachtenden IS-Dschihadismus und der rassistischen Pegida. Fremdenhass, Feindseligkeit und Gewalt erzeugen ein Chaos, in dem das Vertrauen in das Göttliche im Menschen und in die Menschenwürde untergraben und verschüttet werden.

Der Glaube an das Göttliche im Menschen besagt, dass jedem Menschen, gleich welcher Hautfarbe, Religion oder gesellschaftlicher Stellung eine göttliche Würde eigen ist, die alle Vorurteile in den Schatten stellt. Terroristen werden schwer davon zu überzeugen sein, dass sie die göttliche Würde des Menschen missachten und zerstören. Dennoch gibt es keinen anderen Weg, als das Gespräch zu suchen, um nicht Gewalt mit Gewalt zu erwidern. Papst Franziskus betont es immer wieder: ruhig den eigenen Glauben bekennen und den vorurteilsfreien Dialog mit allen suchen.

Papst Franziskus spricht immer wieder von der Barmherzigkeit als notwendige Grundlage des menschlichen Zusammenlebens. Nicht Selbstgerechtigkeit oder Selbstüberhebung, sondern barmherzige Zuwendung zu allen Menschen zählt, vor allem zu Menschen, die am meisten missachtet oder von der Gesellschaft ausgeschlossen werden – gescheiterte, flüchtende, ausgebeutete, hungernde, kranke Menschen.

Barmherzigkeit beginnt im Alltag: Schon in flüchtigen Begegnungen kann ich Menschen mit einem kalten Blick verletzen. Ich kann ihnen aber auch mit offenen Augen, mit einem offenen Herzen begegnen. Ich finde schwer Zugang zu Menschen, die mich herzlos anblicken.

Für die Begegnung der Religionen ist es ganz wichtig, an das Göttliche in jedem Menschen zu glauben, von dem Gottsuchende und Mystiker aller Religionen auf verschiedene Weise gesprochen haben. Gott, der in den Herzen aller Menschen lebt, ist größer als die ihn verkündenden und predigenden Religionen. Bei der Verschiedenheit der Traditionen, die das Leben der Menschen in den Gesellschaften bestimmt, ist es allzu leicht, sich über äußeren Dinge zu empören – über Burka, Bart oder Minihosen. Beim Blick auf das Göttliche im Herzen der Menschen geht es jedoch um einen ständigen Verwandlungsprozess, in dem wir weggeführt werden von unserem engen, ängstlichen Egos hin zur unbegrenzten, unteilbaren Weite des Göttlichen ins uns. Das Ziel unserer Gottessuchen sollte darin bestehen: „Erkenne, wer du bist“ - ein von göttlichen Gegenwart und Liebe durchdrungenes Wesen. „Wenn du fällst, fällst du auf den Grund deines Lebens, auf das Göttliche, das grenzenlos und allgegenwärtig ist. Die Antwort auf die Wirklichkeitsdeutung vom Göttlichen im Herzen der Menschen her lautet: Ich vertraue und glaube, dass Gott mehr ist, als ich begreife, auch wenn ich von ihm nichts erkennen und nichts fühlen kann.

Würzburg St. Albert, 16.12.14 Klaus Beurle

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