Pfingsten feiern – wirklich?

Werneck, Pfingsten 2018

Wer feiert heute denn noch Pfingsten? Für viele ist es nichts anderes als ein angenehmer Wandertag, ein Ruhetag oder ein Stammtischtreffen in der Natur. Wir hier in der Kirche aber feiern den Festtag, weil wir glauben, dass der Heilige Geist vor fast zwei Jahrtausenden etwas Gewaltiges ausgelöst hat.

Ein Sturmesbrausen brach aus

50 Tage nach Ostern, 10 Tage nach Himmelfahrt warteten die Apostel und Maria im Abendmahlssaal auf die Erfüllung des Versprechens Jesu vor seiner Himmelfahrt. Da brach in jenem Saal ein Sturm los, Feuerzungen kamen auf die Wartenden herab und später, als sie die Türen öffneten, konnten sie mit den Menschen, die hinzuströmten, in der Muttersprache jedes Einzelnen sprechen. Die jüdischen Pilger, die von weither nach Jerusalem gekommen waren, konnten nicht fassen, was da geschehen war. Als sie nach Ägypten, Kreta, Kappadozien, Mesopotamien, Libyen und selbst nach Rom zurückkehrten, breitete sich die Nachricht vom Feuergeist, der alle Grenzen aufbrach, überall aus. Es war die Geburtsstunde der Kirche. Die universale Botschaft der Befreiung der Menschen durch die Liebe Gottes war, sie galt allen Völkern.

Die Sprache der Symbole

Es sind aussagekräftige Symbole, die uns helfen, der Wirklichkeit des sich durch seine brennende Liebe selbst verschenkenden Gottes näherzukommen: Brausen, Atem, Hauch, Lebenslicht, Liebesflammen, Feuerzungen… Der Geist Gottes weht, wo er will. Keine Worte können sein Wirken beschreiben. Besonders häufig wird der Heilige Geist mit einer Taube, die als Friedenstaube gedeutet, verglichen. Der Geist Gottes ist eine wahre Friedensmacht, wenn Menschen sich von ihm erfüllen und Kraft geben lassen.

Ausbreitung und Verrat

Das Christentum hat sich in den ersten Jahrhunderten schnell ausgebreitet, ohne Waffen, ohne sich auf irdische Mächte zu stützen, dafür aber ganz auf die göttliche Geistesmacht vertrauend. Doch was ist aus der Kirche geworden? In dunklen Epochen hat sich die Kirche mit weltlichen Mächten verbündet. Die Pfingstbotschaft wurde dadurch lange Zeiten kläglich verraten.

Tradition zwischen Verweltlichung und Erneuerung

Was bedeutet Pfingsten nun für uns heute, für junge, für alte Menschen? Haben wir überhaupt noch ein Gespür für das Wirken des Geistes in uns, in einer friedlosen und zerstrittenen Welt? Oder sind wir ganz den Sensationen und Faszinationen unserer modernen Welt ausgeliefert? Wenn unsere Herzen verschlossen sind, hat der Heilige Geist keine Chance, bei uns zu „landen“.

P. Alfred Delp schrieb aus der Todeszelle 1945: „Oft sind wir, trotz des Geistes, der uns innewohnt, so müde und furchtsam, weil wir dem Heiligen Geist nicht zutrauen, aus uns etwas zu machen. Gott will uns, oft durch schmerzvolle Korrekturen, zu Menschen machen, die Hoffnung und Freude ausstrahlen“.

Der Heilige Geist will in uns das Licht, das wir in der Taufe empfangen haben, zum Leuchten bringen und will uns zu gemeinschaftsfähigen Menschen der machen, die zu einem Leib gegenseitiger Ergänzung werden. Wenn die Kirche trotz aller Versagen und Skandale heute immer noch besteht und vielerorts, vor allem in den südlichen Ländern, am Blühen ist, verdanken wir es dem Heiligen Geist. „Wir ´machen´ nicht die Kirche, die Kirche ist ein Geschenk Gottes an uns“, schrieb der Rottenburger Bischof Moser.

Lebensmut und Hoffnung

Christen, die in Unterdrückung und Verfolgung leben, haben den Glauben an die innere Kraft des Heiligen Geistes allermeist nicht verloren. Sie haben auf die innere Macht des Glaubens vertraut und daraus Lebensmut, Hoffnung und auch Freude geschöpft. Heute gibt es bei uns oft eine Gleichgültigkeit dem Göttlichen gegenüber, aus der nicht selten Schwermut oder Traurigkeit werden – eine Traurigkeit, die die Lebensfreude und Kraft der Hoffnung erstickt. Die Pfingstbotschaft ist eine Botschaft der Hoffnung und der Freude, die unser Leben immer neu von Selbstsucht, von Verschlossenheit und Verzweiflung befreit. Wir begreifen immer mehr, dass Gott auf wunderbare Weise die Herzen aller Menschen berührt und verwandelt, wenn wir uns von den Mächten des Hasses und der Zerstörung lossagen. Klaus Beurle

 

Archbishop Joseph Coutts of Karachi was one of 14 new cardinals named by Pope Francis on May 20. (Photo supplied)

 

Kontakt

Dr. Klaus Beurle

Pleicherpfarrgasse 10
97070 Würzburg
Tel / Fax: 0931/45258898
e-mail:
klaus-beurle(at)t-online.de