Der Sämann und die Samenkörner Predigt 16. Juli 2017

Die Gleichnisse vom Reich Gottes sind Höhepunkte der Predigt Jesus. Doch wir haben es schon oft gehört –das Gleichnis vom Sämann und den Samenkörnern. Es ist uns zu vertraut, als dass es uns noch anrühren würde und wir darin etwas Neues hören würden – es sei denn, wir hören das Gleichnis, als ob es ganz und gar uns und unsere Zeit beträfe!

Sind die Samenkörner Bilder für das Wort Gottes? Oder sind sie nicht vielmehr Bilder für das Reich Gottes? Ich verstehe die Samenkörner als Bilder des Reiches Gottes, das seit Jesu Ankunft und seit seiner Botschaft von Tod und Auferstehung in die Welt hineingestreut, hineingeworfen wird. Also nicht einfach Jesus als der Sämann, der seine Jünger zu Sämännern macht, damit sie das Wort Gottes wie er selbst durch ihre Predigt in die Herzen der guten und der bösen, der offenherzigen und der verstockten Menschen ausstreuen.

Ja, das Reich Gottes selbst hat Jesus hineingeworfen und ausgesät in die Herzen der Menschen und in die Geschichte der Völker. „Die Zeit ist erfüllt. Das Reich Gottes ist nahegekommen. Kehrt um und glaubt an das Evangelium?“ (Mk 1,45) Warum aber geschieht dann so wenig? Warum geht es nicht voran mit dem Reich Gottes? Warum wird die Saat des Reiches Gottes in unserer Gesellschaft so oft mit Füßen getreten? Warum verschließen sich so viele Menschen der Botschaft Jesu? Wo sind die Orte und Menschen, in denen die Saat vielfältig, ja hundertfach aufgeht? Und was ist mit mir selbst – säe ich das Samenkorn des Reiches Gottes durch mein Reden und Tun in meiner Umgebung aus? Bin ich selbst persönlich guter oder schlechter Boden für das Reich Gottes?

Wo geschieht es, was Jesaja, der Prophet, schon lange vor Jesu Ankunft angekündigt hat: „Wie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt, so wie er dem Sämann Samen gibt… so ist es mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zurück zu mir, sondern bewirkt, was es will und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.“?

Die Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen ist, wie wir wissen, von Dunkelheit durchsetzt, voller Verhärtungen und Erdverkrustungen, aber auch voll von Fruchtbarkeit und reich an Ernteerträgen. Sehen wir richtig? Vieles kommt anders, als von uns erwartet. Manche fragen sich daher enttäuscht: Warum kommt das Reich Gottes so zögerlich?

Die Wirksamkeit des Wortes Gottes hängt einerseits von der Beschaffenheit des Bodens ab. Manche Erdböden sind so dornig, so felsig, dass nichts aufgeht. So ist es nun einmal. Gott kann und will offensichtlich nichts daran ändern – es sei denn wir ändern uns. Gott respektiert die Verhältnisse so, wie sie sin. Er respektiert den freien Willen des Menschen und nimmt sozusagen das Schicksal des Wortes Jesu in Kauf. Aber es gibt eben auch den Boden, d.h. die Herzen von Menschen, durch die der Same dreißig-, sechzig, ja hundertfach Frucht trägt – auch in unseren Tagen. Ich denke etwa an die Mutter der Aussätzigen, Ruth Pfau, oder an Rupert Neudeck, der unzähligen Flüchtlingen, das Leben gerettet hat. Aber auch außerhalb der Kirche geht der Same der Gottesreiches auf, in Menschen, die aus dem Geist der Seligpreisungen handeln, wie etwa der diese Woche der verstorbene chinesische Schriftsteller Liu Xiaobo. Er wurde gefoltert, verhaftet, eingesperrt und doch sagte er immer wieder: „Ich habe keine Feinde, Ich vergebe allen, die mir Böses getan haben.“


 

Worte, die gut tun

Juli 2017

Lass uns Menschen nicht auf irgendetwas reduzieren, was auf dem Papier steht. Der Mensch ist mehr als sein Pass, mehr als eine Nummer. Michael Patrick „Paddy“ Kelly, geb. 1977 in Dublin, irisch-amerikanischer Sänger, Musiker und Komponist, Sohn der The Kelly Family

Auch in ein neues Glück muss man sich schicken lassenMarie von Ebner-Eschenbach, 1830-1916, österreichische Schriftstellerin

Mein Gott, wolltest du mir doch das beständige Bewusstsein deiner Gegenwart schenken Charles de Foucauld (1858-1916)

Die Eucharistie stärkt in einer schnelllebigen, hektischen Zeit unser Gedächtnis an die Liebesgeschichte Gottes mit uns. Papst Franziskus, geb. 1936 als Jorge Mario Bergoglio in Flores, Argentinien, bei der Fronleichnamsfeier in Rom am 18.06.2017

Wer loslässt, wird gehalten. Richard Rohr, geb. 1943 in Topeka/USA, Franziskaner, Prediger, Schriftsteller

Nichts ist zu klein, als dass wir nicht den Willen Gottes darin entdecken können. Franz von Sales (1567-1622)

Gott ist wie ein Brunnen in uns, zu dem wir zu Gast und Einkehr geladen sind. Diese inneren Quellen müssen wir finden und immer wieder strömen lassen in das Land unseres Lebens. Alfred Delp (1907-1945)

Gott lässt sich nicht erkennen – es sei denn durch Liebe. Johannes vom Kreuz (1542-1591)

Selig seid ihr, wenn ihr Christus sucht und euch zu ihm hintragen lasst: Ihr werdet die Tragweite Gottes erfahren Franz Feineis (geb. 1958) Krankenhausseelsorger-

Die Reife eines Menschen zeigt sich am deutlichsten an dem Dienst, der er in der Gemeinschaft leistet. Pedro Arrupe (1907-1991), Generaloberer der Jesuiten

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